Sven Sorring Autor Sven Sorring
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AUTOR - Sven Sorring

Seit meinem sechsten Lebensjahr schreibe ich Tagebuch. Daraus entwickelte sich eine grosse Leidenschaft: Das Schreiben

Geschichten koennen in so vielen Formen erscheinen: Ob Thetaerstücke, Kurzgeschichten, Ideen für Film, oder einfach nur Gedanken zum Leben ... Mir ist alles recht. Dabei ist es mir völlig egal, ob Andere mein Geschriebenes gut finden oder nicht. Wenn ich mit meinen Geschichten berühren oder anregen kann, freue ich mich natürlich...



Positives Denken - Positive Thinking

In DEUTSCH:
Liebe, Hass, Eifersucht, Neid, Wut, Trauer, und all die übrigen Gefühle, die wir haben können, bezeichne ich als eine Art Energie.
Wenn die Gefühle losgehen, dann fühle ich sie – zumeist in der Magengrube.
Vielleicht heißt es dann auch Chakra oder man gibt diesem Zustand irgendeinen anderen Namen geben. Egal.
Gefühle, also diese Energien werden durch andere Menschen oder Situationen ausgelöst.
Ihren Ursprung, da wo ein Gefühl, also eine Energie beginnt, findet erstmal bei einem selbst statt.
Wenn ich zum Beispiel auf jemanden wütend bin, dann löst dieser Mensch in mir die Energie Wut aus.
Diese Wut, diese Energie findet aber zuerst bei mir selbst statt.
Die meisten Menschen beschäftigen sich aber leider zuerst mit demjenigen, der bei ihnen die Wut ausgelöst hat.
Statt sich zu fragen, wo das Gefühl, diese Energie anfängt, sucht man beim anderen, bei dem Gegenüber nach Fehlern und Mißständen.
Eigentlich ruft der andere, das Gegenüber nur die Gefühle und Energie wach, die bereits in einem schlummert.
Wenn ich mich mit meinen eigenen Energien bewußt auseinandersetzen würde, dann würde ich viel bewußter leben können, und nicht andere für die Gefühle, die ich habe, verantwortlich machen.
Wenn ich mich fragen würde, bei wem das Gefühl anfängt und wenn ich mich mit dem Ursprung auseinandersetzen würden, dann hätten ich, so denke ich, viel weniger Probleme mit meinem Gegenüber.

Für mich gibt es zwei grundlegende Gefühle:

- es fühlt sich gut an
- es fühlt sich nicht gut an

Der Mechanismus, zu erkennen, welches Gefühl ich gerade habe, ist mir geschenkt worden.
Diesen Mechanismus hat jeder Mensch.
Davon bin ich fest überzeugt!
Dieser Mechanismus nennt sich auch „Körper" !
Wenn ich auf mich und meine Symptome höre, die mir mein Körper signalisiert, dann habe ich schon sehr viel gelernt.
Wenn ich mich bei einer Tat, bei einem Gefühl, bei einem Menschen, bei einem Satz, in einer Situation wohl fühle,
wenn es mein Bauch als angenehm empfindet, dann bin ich auf dem richtigen Weg.
Wenn ich dann meine Gedanken auf dieses Gefühl konzentriere und nach ihm handle, dann tue ich mir selbst und damit auch anderen und seinem gesamten Umfeld etwas Gutes an.
Dieses Gefühl und die positiven Umstände, die damit verbunden sind, potenzieren sich nach Oben und ich schaffe mir eine bessere Lebenssituation.
Dies geschieht aber auch im Negativen...
Wenn ich ein wenig mehr auf mein ursprüngliches Gefühl höre und danach gezielt handle, dann habe ich größere Chancen glücklicher zu sein.
Ich sage nicht, dass dies leicht ist, aber es zahlt sich aus!
Sven

in ENGLISH:
Love, hate, jelousy, envy, sadness and all the other feelings we can have, I call energies.
Everytime such afeeling gets started I feel it first of all in myself - somewhere in my tummy. Maybe one calls this chakra or some other name. I don't care.
These energies - feelings - mostly start as a reaction over other people or situations. But first they defenitly start in me.
For instance, when I get angry with someone then the anger starts inside of myself first.
Most of the people try to find the answer in their feelings in the other person.
They try to find all the msitakes and where everything went wrong in the others.
Instead of asking themselves where this feeling started off with, mostly they try to find it in the other person.
But, actually the others just awaken all the feelings in you,
which have been sleeping there inside of you.
If I'd handle my own energies and feelings more conciencly I wouldn't make other people responsable for my own feelings.
If I'd asked myself where these feelings started and if I'd deal with their origin, then I'd had less problems!

For me there are two basic feelings:

- It feels good
- It feels bad

The mechanism to find out what I am feeling is like a gift, a present to me!
This mechanism is called "my BODY" ... wink
When I listen to the symptoms my body gives me then I've already learnt a lot.
When I feel well with what I am doing, in a situation or with a person, when my body gives me the signal that this is a nice feeling, then I know that I am on the right way.
When I then concentrate on this thought on the feeling which I get and try to act after this, then I start treating myself, other people around me and all my sourroundings with respect.
The result of this is that my feelings become more and more positive.
People react positively to this more and more... and my life then becomes so much more enjoyable.
But this unfortunatly can also happen in the oppsite way, towards the negative.
If I listen a little bit more to my inner voice, my life could be so much more positive.
I don't say it's easy, but it's woth while...!
Sven



Ehrgeiz - Ambition

In DEUTSCH:
Ehrgeiz ist ansteckend.
Es ist wie ein Fieber.
Menschen mit Ehrgeiz stecken mich an.
Durch ihren Ehrgeiz, ihr Fieber werde ich angesteckt und gehe plötzlich in eine Richtung, die gar nicht die meine ist.
Vielleicht tue ich dann plötzlich Dinge, die mir nie in den Sinn gekommen wären.
Ich tue sie nur, weil ich in die Gesellschaft von jemandem gekommen bin.
Fast alles in meinem Leben ist Zufall.
Es ist nicht wirklich bedeutungsvoll, sondern zufällig.
Ein Beispiel:
Dein Vater will, dass Du Arzt wirst...
Also wirst Du Arzt...
Es ist sein Ehrgeiz, der Dich Arzt werden läßt...
Er befriedigt seinen Ehrgeiz.
Er benutzt Dich als Mittel...
Das ist nicht Liebe! Das ist Ausbeutung!
Ehrgeiz gehört zur Wurzel des Wahnsinns.
Der Ehrgeiz, die Anstrengung jemand zu sein in dieser Welt, macht mich wahnsinnig.
Wer hat denn schon den Mut NIEMAND zu sein?
Ein ehrgeiziger Mensch schiebt alles auf und ist aggessiv.
Sein wahres Leben findet immer morgen statt.
Das Morgen kommt aber nie...
Wer aggressiv ist, wird irgendwann verrückt.
Ein un-ehrgeiziger Mensch ist friedlich, liebevoll und mitfühlend.
Der Ehrgeizige ist immer in Eile, rennt und hetzt hinter etwas her, von dessen Existenz er nur ein vages Gefühl hat, aber er wird es nie finden.
Nicht ehrgeizig zu sein bedeutet für mich im Hier und Jetzt zu leben.
Es bedeutet geistig gesund zu sein!
Sven

in ENGLISH:
Ambition is infectious.
It's like a fever to me.
People with ambition somehow infect me.
Through their ambition, through their fever they infect me and I all of a sudden I start moving in a direction I actually didn't wanted.
Maybe then I start doing things which I never ever have been thinking of before.
I only do them because I've moved into somebodies else's company.
Almost everything in my life is coincidence.
It's not really significant, but it's per accident.
An example:
Your daddy wants you to become a doctor...
So, you become a doctor...
It is his ambition you to become a doctor...
It satisfies his ambition...
He uses you for his aims...
That's not love, it's pure exploitation!
Ambition - for me - belongs to the roots of insanity.
The ambition, the effort to be somebody in this world drives me insane.
Who has the guts, the streanght to be just NOBODY in this world?
An ambitiant person always postpones everything and is aggressive.
His true life always takes place TOMORROW.
But, that tomorrow will never come.
Aggressive people one day will turn insane.
A non-ambitiant perosn always is peacefull, full of love and sympathetic.
An ambitiant person always is on the run, never has time for anyrthing, always runs after something from which he only vagualy has a picture what it could be.
But he'll never find it!
Not to be ambitiant means to me to live in the HERE and NOW!
It means to me to be healthy in my brain and in my mind!
Sven



Daheim

n DEUTSCH:
Ich habe in mir eine tiefe Sehnsucht, daheim zu sein.
Das hat aber mit dem Ort, an dem ich wohne, nichts zu tun.
Das Heim, in dem ich wohne ist nur ein Objekt, welches stellvertretend für das steht, was ich hier mit "Sehnsucht nach DAHEIM" bezeichne.
Es ist nur ein Vorwand.
Weil ich mein wirkliches zu Hause nicht kenne, schaffe ich mir ein Heim, an das ich mich klammere und festhalte.
Es ist irgendwie tröstlich und gibt mir ein Gefühl der Geborgenheit, dass ich ein zu Hause habe.
Ich denke aber eigentlich, dass wir alle kein zu Hause haben auf dieser Erde.
Es ist einfach sich ein Heim zu schaffen und das Gefühl zu haben, daheim zu sein.
Ich glaube, es ist soetwas wie ein psychologischer Trick, meine Wohnung oder mein Haus zu meinem HEIM zu machen.
Es hilft mir... wie eine Art Beruhigungsmittel.
Es gibt mir das Gefühl Wurzeln zu haben, einen Platz zu haben,
wo ich hingehen kann, wo ich hingehöre.
Aus diesem Grund, und jetzt komme ich vom Kleinsten ins Größte,  schaffen wir Länder, Nationen, Mutter- und Vaterländer, Kirchen, Mauern und Grenzen. Eigentlich suchen wir aber alle unser WIRKLICHES "zu Hause".
Das - und da bin ich fest davon überzeugt - finde ich aber niemals da draußen, sondern in mir selbst.
Mein DAHEIM finde ich nur tief in mir drinnen, im Kern meines Seins. Und, es ist eine ganz schön anstrengende und manchmal auch gefährliche Reise, bis ich dort angelangt bin...
Sven

in ENGLISH:
I have a deep desire in me for being "at home".
But this has nothing to do with the place where I'm living at.
The home I live in is just an object which stands for the thing I call here "at home"...
It's just an excuse.
Because I don't know my real home I create myself a home to which I can cling to, to which I can hold on to.
It is somehow comfortinng and gives me a feeling of being safe, that I have a home.
But actually I think that none of us here on earth really has an  home.
It's quite easy to buid yourself a home and to have the feeling to be at home there. I think this is a psychological trick to make your flat or your house into "an home"...
It helps me... like a sedative...
It helps me to have the feeling of having my own roots, of having a place where I can go to, where I can feel at home.
And now I expand this thought:
I think this is the reason why we have countries, nations, mother - and fatherlands, churches, walls and borders...!
Actually we all are looking and searching for our "real" home".
But, I'm convinced and quite sure, i'll never find my home "out there". I'll be able to find it deep inside of me.
My real home I'm only able to find deep inse of me, in hte centre of my being.
And most of the time it is a rather exhausting and sometimes quite dangerous trip to get there!
Sven



Wunden

Unser​ Verst​and samme​lt Bitte​rkeit​.​
Er samme​lt Gerae​usche​,​ Belei​digun​gen,​ Verle​tzung​en,​ etc.​.​.​
Dann kommt​ das gross​e Schmo​llen.​ Jahre​lang.​
In der Psych​ologi​e weiss​ man, dass etwas​,​ was man Dir im Alter​ von vier,​ fuenf​ Jahre​n gesag​t oder getan​ hat,
Dich so verle​tzt haben​ kann,​ dass davon​ immer​ noch eine offen​e Wunde​ gebli​eben ist.
Ich kenne​ es von mir.​.​.​
Ich lasse​ diese​ Wunde​ nicht​ verhe​ilen.
​Ich stoch​ere immer​ noch in der Wunde​ herum​.​
Dessh​alb tut sie noch immer​ weh.
Ich lasse​ die Wunde​ immer​ wiede​r aufle​ben und gebe ihr nie die Geleg​enhei​t,​ von selbs​t zu heile​n.​
Wenn ich mir meine​n Verst​and ansch​aue,​ so beste​ht er aus extre​m viele​n Wunde​n. ​
Ich laufe​ also Gefah​r,​ dass mein Leben​ zur Hoell​e wird.​
Ich samml​e die Waffe​n,​ die Dorne​n,​ die mich verle​tzen. ​
Ich wurde​ zum Beisp​iel jahre​lang von jeman​dem gelie​bt,​ wurde​ einfu​ehlsa​m,​ freun​dlich​ behan​delt,​ und dann,​ ploet​zlich​,​ bekom​me ich von diese​r Perso​n etwas​ Verle​tzend​es gesag​t.​
Mit einem​ Schla​g sind all die Jahre​ der Liebe​ und Freun​dscha​ft wie ausge​loesc​ht.​ Diese​ eine Verle​tzung​ bekom​mt dann eine solch​e Bedeu​tung,​ mehr Gewic​ht als alles​,​ was vorhe​r war.
Ich verga​ss damit​ seine​ ganze​ Liebe​ und die Freun​dscha​ft.​
Ich erinn​erte mich nur noch auf diese​ eine Verle​tzung​ und sinnt​e auf Rache​. ​
So arbei​tet unser​ Verst​and.​.​.​
Der Verst​and ist gnade​nlos.​
Wenn ich ueber​ meine​n eigen​en Verst​and hinau​sgehe​,​ lasse​ ich die Bitte​rkeit​ hinte​r mir.
Ich versu​che mich aus meine​m Kopf hinau​s zu beweg​en.​
Wie? Ich gehe Laufe​n,​ spiel​e Theat​er,​ mache​ Musik​,​ tausc​he mich aus.
Ich versu​che kreat​iv zu leben​.​
Ich will mich nicht​ von meine​m Verst​and kontr​ollie​ren lasse​n,​ sonde​rn versu​che ihn zu kontr​ollie​ren.​
Manch​mal gelin​gt mir dies.​
Dann fuehl​e ich mich wie ein Meist​er!​
Der Kopf ist etwas​ Genia​les,​ wenn ich ihn nutze​n kann. ​
Solan​ge er mich nicht​ benut​zt,​ sonde​rn ich ihn, finde​t in mir eine kreat​ive Rebel​lion statt​.​
Sven



Hier ein paar kleine Geschichten zum Lesen und Nachdenken

In der Mitte ist ein Auge.

Es sieht traurig aus und wissend.

Es hat dunkle Augenringe, die Geschichten erzählen könnten.

Die Wimpern sind ungewöhnlich lang, und verlaufen am Ende in das Weiß des Papiers.

Um das Auge herum, die Wimpern durchkreuzend, fließen Linien zu mehreren Körperteilen zusammen.

Diese, wiederum, könnten, ausgehungerten Kreaturen ähnelnd, halb Mensch, halb Tier, zugehörig sein.

Sie sind alle magisch miteinander verbunden.

Das Gebilde näher betrachtend, kann man erkennen, wie zum Beispiel, aus einer Hand, fast unmerklich, aber doch aufdringlich, ein Bein wird.

Alles kreist um das zuerst beschriebene Auge mit den langen Wimpern.

Ich stehe vor dem Bild und träume.

Könnte ich ergriffen sein?

Irgendetwas zieht mich magisch an.

Wieso kann ich mich nicht entziehen?

Eine innere Unruhe, eine ungewisse Trauer befällt mich.

Es fehlt die Farbe. Ja. Ganz eindeutig. Alles in Schwarz, Weiß und schattiertem Grau...

Ein Mann im Regenmantel – eine einsam verregnete Strasse – das Klackern von billigen Stöckelschuhen –

eine tückisch kalte Regenböe – die Sehnsucht nach einer vergangenen Liebe.

Mein Rücken tut weh. Ich drehe mich um. Die Halle ist weiß. Die Menschen hier sind gebildet und kalt.

Ich will das Museum verlassen, doch meine Beine sind zu schwer.

Ich setze mich auf eine dieser Eisenbänke.

Mein Schuh drückt, also ziehe ich ihn aus.

Ich sehe mich um, weil ich diesen Vorgang nicht beobachtet haben will.

Doch, eine bebrillte, rothaarige Frau mittleren Alters beobachtet mich mit hochgezogener Augenbraue.

Ich fühle mich so einsam, ich fühle mich fehl am Platz.

Irgendein Teufel im Inneren meiner Gedärme will lachen.

Warum? Weil alles so lächerlich erscheint.

Mein vom Schuh befreiter Fuß erregt das öffentliche Ärgernis...

Ich lächle der Frau zu; sie dreht sich angeekelt um.

Ich bin wieder allein.

Die Körperteile tanzen.

Sie umkreisen das Auge.

Sie unterliegen einem Ritual, welches ihre Zugehörigkeit zum Ausdruck bringen will.

Ohne es zu wollen, sind sie vereint mit dem Auge.

Es blickt noch immer traurig und wissend.

Mir wird flau im Magen.

Ich muss hier raus.

Meine flinken Finger stülpen den Schuh über meinen Fuß.

Ich erhebe mich von der Bank und schleppe mich quer durch die Halle.

Irgendwo sieht mir vielleicht die bebrillte Rothaarige nach.

Ich ignoriere diese eventuelle Verfolgung.

Jetzt stehe ich vor diesen glasigen Schwingtüren.

Gleich habe ich es geschafft.

Die Drehung schwingt meinen schweren Körper hinaus ins Freie.

Die Sonne scheint.

Meine Traurigkeit fällt von mir ab.

Trotzdem bleibt eine gewisse Leere zurück.

Wie kann ich sie wieder anfüllen?

Wo lauert die nächste Sensation?

In der Straßenbahn? Im Kaufhaus? Auf meiner Straße? In meiner Wohnung?

Egal. Das Auge sieht mir zu.

Ich versuche das Beste draus zu machen...

 

 

 

Das Einwegfenster

A: Hast Du ein Fenster?
B: Was meinst Du?
A: Na, eins zum Gucken.
B: Raus oder rein?
A: Beides.
B: Hab nur eins zum Rausgucken.
A: Was meinst Du?
B: Will nicht, dass man bei mir reinguckt.
A: Ist das denn dann ein Fenster?
B: Klar.
A: Was ist das denn für ein Fenster, welches nur zum Rausgucken ist?
B: Eins für mich.
A: Hast Du Angst, dass man Dich sehen könnte?
B: Ja... Nein... Ja. Doch.
A: Wieso?
B: Ich hab halt Bedenken...
A: Wovor?
B: Ich will nicht gesehen werden.
A: Aber, Du willst sehen können.
B: Ja.
A: Sehen, aber nicht gesehen werden?
B: Ja.
A: Ist das nicht feige?
B: Ja. Doch. Aber ehrlich.
A: Ehrlich? Wie meinst du das?
B: Ich gebe ehrlich zu, dass ich manchmal feige bin.
A: Meinst du nicht, dass Du freier lebst, wenn du Dich für andere sichtbar machst?
B: Ich bin doch sichtbar, wenn ich rausgehe.
A: Hast Du was zu verstecken?
B: Nein. Oder, vielleicht doch? Ich will mich zurückziehen können.
A: Das sind jetzt aber zwei paar Schuhe.
B: Man braucht doch manchmal ein Versteck, in das man sich zurückziehen kann, oder?
A: Ja, schon. Aber, Fenster sind doch zum Rausschauen und Reinschauen.
B: Nicht bei mir!
A: Alles klar.
B: Was ist? Das ist bei mir halt so. Hast Du daran etwas auszusetzen?
A: Du, das ist DEIN Leben. Nicht meins.
B: Ja, genau. Also nerv mich nicht.
A: Doch! Ich nerv Dich. Soviel ich will. Denn wir sind jetzt Draußen, und hier bist Du sichtbar!
B: Ach, mach, was Du willst...
A: Tu ich auch! Weißt Du, was ich glaube?
B: Was glaubst Du?
A: Ich denke, Du hast auch hier Draußen ein Einwegfenster!
B: Was? Was meinst Du?
A: Du willst nicht, dass andere wissen, wer und wie Du wirklich bist.
B: Das muss auch nicht jeder wissen.
A: Kann ich verstehen... Aber Du forderst, und willst selbst nichts dafür geben.
B: Ich fordere? Du kannst doch tun und lassen, was Du willst, oder?
A: Ja! Tu ich auch! Ich frage Dich, weil ich das will.
B: Ich muss dir aber keine Antwort geben...
A: Tust Du doch gerade.
B: Na, wenn du meinst.
A: Keine Antwort ist auch eine Antwort.
B: Das wird mir jetzt zu blöd.
A: Du bestätigst nur meine Theorie, dass Du auch hier Draußen mit Deinem Einwegfenster lebst.
B: Ach, lass zufrieden!
A: Schade.
B: Tja... So ist es halt...
A: Ich find’s echt schade. Ich dachte mir, Du bist ein offener Mensch.
B: Vielleicht will ich kein „offener“ Mensch sein? Vielleicht will ich so bleiben, wie ich bin.
A: Darfst Du ja auch. Niemand verbietet dir das. Aber, dann darfst Du Dich nicht wundern, wenn Du einsam bleibst.
B: Wer sagt, dass ich einsam bin?
A: Ich! Ich sag das.
B: Na ja... Wenn Du meinst...
A: Sich so zu versperren, macht einen ziemlich einsamen Eindruck.
B: Weißt Du, das ist mir relativ egal, was für einen Eindruck das macht.
A: Wie ist es denn, wenn Du zum Beispiel jemanden liebst? Willst Du dann auch, dass man Dir nicht reinschauen kann?
B: Doch. Aber, nur bis zu einem gewissen Grad.
A: Und wo liegt dieser gewisse Grad?
B: Selbst in der Liebe gibt es Grenzen.
A: Wenn es ehrliche Liebe ist, ich meine, wenn man wirklich liebt, dass verschwimmen die Grenzen.
Man wird Eins miteinander.
B: Das sehe ich nicht so.
A: So? Wie siehst Du es dann?
B: Zuerst kommt das „Ich“, und dann kommt das Du“.
A: Und das bezeichnest Du als wahre Liebe?
B: Ja. Ich denk schon.
A: Ja! Du denkst, aber Du fühlst nicht.
B: Ach, lass mich doch in Ruhe.
A: Siehst Du? Du ziehst Dich schon wieder zurück.
B: Tja... Wenn Du meinst.
A: Ja! Meine ich!
B: Okay. dann meine halt.
A: Weißt Du was?
B: Was denn schon wieder?
A: Es ist hoffnungslos mit Dir. Sei glücklich mit Deinem Einwegfenster. Ich wünsche Dir alles Glück auf dieser Welt! Ehrlich! Aber, ich glaube, mit diesem Denken kommst Du nicht weit. Vielleicht in der konsumorientierten, egogelenkten und oberflächlichen Welt, aber nicht in der Liebe.
B: Ich lebe so, wie ich es für richtig halte!
A: Ja. Das ist ja das Problem. Aber... Egal... Ich wünsch dir was!
B: Danke!
A: Bitte! – Ciao!
B: Ciao!

 

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"Der Troll, sein Nest und das Weibchen"

 

Jetzt werden die Tage wieder kürzer und die Nächte länger.

Die Bäume werfen längere Schatten und verlieren ihre Blätter.

Es ist, als ob sie zu bluten beginnen, wenn ihr Stamm beginnt sie abzuwerfen.

In der Früh ziert der Tau die Wiese.

Man kann sich nicht mehr so ohneweiters ins Grün setzen,

ohne dabei nass zu werden.

Irgendwo da draussen, tief im Wald ist ein Baum umgefallen,

und hat dabei ein Loch in die Erde gerissen.

Vor vierhundert-fünfundvierzig Jahren, es war auch Herbst, da sah ich dieses Loch und begann es auszuweiten und zu vertiefen.

Immer wieder gibt es Zeiten, in denen ich dorthin zurückkehre.

Dieses Jahr werde ich es wahrscheinlich tun.

In diesem Loch habe ich ein sogenanntes "Nest" eingebaut.

Im Laufe der Jahre, kann man sich wohl vorstellen, ist daraus ein wirklich heimeliges, kuscheliges und warmes Schlupfloch geworden.

Früher, als meine Instinkte noch stärker waren, und ich mich noch nicht zu der menschlichen Gattung zählen konnte, diente mir dieses Nest zur Paarung.

Ich überfiel ein Weibchen meiner Gattung und zwang sie dort, versteckt, zum Liebesakt.

Einstweilen sind von meiner Art nur noch vereinzelt Exemplare zu finden.

Die meisten von uns haben sich der menschlichen Seite zugetan.

Genau wie ich auch.

Also ziehmt es sich nicht, diesen alten Ritualen nachzugehen.

Man könnte dies als Vergewaltigung ansehen, und es liegt mir fern, anderen und meinem Menschsein einen Knick zu verpassen.

Das Nest ist aber noch immer da.

Immer, wenn ich mich mit dem menschlichen Dasein nicht zurecht finde, wenn ich enttäuscht werde, oder schlicht und einfach nur meine Ruhe will, suche ich mein Versteck auf, um mich dort für geraume Zeit zurückziehen zu können.

Ich krieche durch den mir so bekannten, von meinen eigenen Händen, vor vielen Jahren geschaufelten Schacht,

um am Ende in die Schlafhöle zu gelangen.

Dort stehen kleine Kerzenbehälter, Öllampen und sonstige veraltete Lichtquellen herum.

Natürlich habe ich frische Kerzen, Petrolium und genügend Öl bei Hand, um mir Licht zu verschaffen.

Das "künstliche" Licht, wie ich es so nenne, verleiht dem Ganzen eine sehr gemühtliche Atmosphäre.

Früher brauchte ich so etwas gar nicht.

Meine von der Natur geschulten Augen fanden sich in jeder Dunkelheit zurecht.

Ich schweife kurz ab: Alle meine Sinne waren damals etwas mehr geschärft als heute.

Ich war ein Wesen der Natur.

Wenn man sich dem Menschsein zuwendet, verliert man mit der Zeit so einige natürliche Eigenschaften.

Dies ist aber nicht weiter schlimm.

Denn, das Menschsein und sein Wissen ersetzt so Einiges.

Manchmal zum Guten, manchmal zum Schlechten.

Aber, dies würde jetzt zu weit führen...

Ich hatte das Nest zuerst mit Materialien wie Vogelnester, Moos, Blättern und Fellen ausgestattet.

Später, als ich langsam Mensch wurde, tauschte ich sie gegen Decken, Leinen, Kissen und sonstigen Weichheiten aus.

Heute, wenn ich mir mein Versteck so ansehe, könnte man behaupten, es wäre sogar modern.

Luftschlitze, Gipswände, Isolierungmateralien, etc... machen mein "Nest" zu einem für

menschliche Annehmlichkeiten sehr funktionsfähigen Bau.

Trotz alldem hat es nichts von seinem ursprünglichen Erscheinungsbild verloren.

Jetzt ist es wieder soweit.

Ich fühle mich nach langer Zeit wieder unmenschlich.

Meine Natur drängt sich mir auf.

Ich habe wiedereinmal das Gefühl, von der gesamten Menschheit im Stich gelassen worden zu sein.

Ich würde mir nur allzugerneein passendes Weibchen krallen und mich für den kommenden Winter in meine heimliche Behausung zurückziehen.

Ich würde mich nur der Liebe, dem Streicheln, den warmen Liebkosungen zwischen Mann und Frau,

dem Kuscheln, den körperlichen Erregungen, dem sexuellen Zittern, dem erschöpften Schlaf danach, dem gemeinsamen Verzehren von Köstlichkeiten, dem gemeinsamen Trinken von leckeren Flüssigkeiten hingeben.

Die Haut, den Körper meines Weibchens kneten, lecken, streicheln!

All die kleinen, versteckten Verzierungen entdecken, wie zum Beispiel: Leberflecke, Sommersprossen, Narben, Fältchen, Schlitze, Öffnungen und dergleichen...

Ich beschreibe hier aber nur die körperlichen Dinge.

Dies ist, seitdem ich Mensch wurde, nicht das Einzige, was mich an diesem ganzen Vorgang begeistert.

Im Gegenteil.

Was wäre die Liebe ohne Gedanken?

Dies ist aber ein sehr heikles Thema, denn, als ich die Welt der Gefühle und der Gedanken kennen lernte, wurde es merklich komplizierter.

Man "krallt" sich heutzutage nicht "einfach so" ein Weibchen.

Wenn ich heute Glück habe, so kann ich ein Weibchen davon überzeugen, dass ich "interessiert" bin.

Dazu gehört eben diese Komponente "Intellekt".

Ja, dies ist erlernbar. Ich habe es gelernt.

Ich habe aber auch gelernt, dass auf Dauer das Erlernte nicht zählt.

Wer man wirklich ist, das ist wichtig.

Wer weiß das aber heutzutage? Ich habe über all die Jahre feststellen müssen, dass kaum jemand weiss, wer er wirklich ist.

Ja, selbst ich, der ich sehr, sehr alt bin, weiß nicht mehr, wer ich wirklich bin.

Dies habe ich all dem Erlernten zu verdanken.

Ich war neugierig. Und so kam es, dass ich mich, mein eigenes "Ich" verlor.

Dies machte mich dann menschlich.

Denn, wenn man sich dessen bewußt ist, dass man sich selbst verlieren kann, dann setzt das voraus, dass man eigentlich irgendeinmal"hatte", oder?

Es gab einmal jemanden, der sagte: "Ich denke, also bin ich!"

Wenn ich mich an Früher erinnere, dann weiß ich nur noch, dass ich einfach nur "war".

Noch besser. Ich "wußte".

Dann gab es Einen, der sagte: "Ich weiß, dass ich nichts weiß!"

Das wußte ich damals nicht.

Erst, als ich dies lernte, dass man so denken konnte, wußte ich nicht mehr, was und wer ich war.

Zurück zu meinem "Nest":

Bin ich unmenschlich, wenn ich den Wunsch hege, mich mit einem Weibchen zurückzuziehen?

Wenn mir dieses Weibchen mit Angst begegnet, mit Wut, weil ich es mir "gekrallt" habe, dann bin ich doch auf Grund all meiner langjährigen Erfahrungen fähig, es unserer gemeinsamen Natur wieder näher zu bringen.

Was ist daran verkehrt? Handle ich dann gegen den Willen dieses Weibchens?

Natürlich tue ich das. Wenn ich dabei den freien Willen übergehe.

Und, das tue ich auch.

Ich würde sagen: Die Natur übergeht uns.

Es ist ihr egal, was wir und wie wir es machen. Sie ist da.

Sie war immer da.

Wir sind nur ein Teil von ihr. Du und ich.

Wenn ich einem Baum gegenüberstehe, dann ist der Baum ich, und ich bin der Baum.

Wir sind Eins. Wir sind alle Eins.

Wenn wir das wirklich sind, dann ist doch mein Wunsch, mir ein Weibchen zu "krallen", nicht ganz so verkehrt, oder?

Solange ich nicht mit Gewalt jenes erzwinge, was ich will, ist es doch in Ordnung, oder?

Also. Ich lerne, dass ich mit meinem "Nest" auf Andere zugehen muss.

Ich bin dann aber auch gezwungen, all meinen Erfahrungen entgegen, stets mein Innerstes preiszugeben.

Auch, wenn ich gelernt habe, dass man als "was Besonderes" von allen zerpflückt und setziert wird.

So, wie es bei E.T. war.

Den mussten die Menschen, obwohl er nur Heim wollte, auch erstmal bis ins kleinste Detail untersuchen.

Man muss sich diesen Gefahren ausliefern, wenn man verstanden werden will.

Das habe ich gelernt.

Also. Nochmal.

Welches Weibchen da Draussen will sich freiwillig mit mir in mein "Nest" begeben?

Ich habe viel zu zeigen, viel zu geben.

Ich bin neugierig, was Du mir zeigen, was Du mir geben willst und kannst!

Und, wenn nicht.....

Dann eben nicht....

Ich bin und bleibe immer noch der Troll.

Mein "Nest" wird immer noch da stehen.

Und, Du wirst immer ein Weibchen beliben.

Dies Alles ganz ohne Bewertung.

Wir sind alle schön.

So, wie wir sind.

Denn:

Wir gehören alle zusammen.

Wir sind wir.

Wir sind.

Wir.

 

Der platzende Frosch

Es flog ein kleiner Floh über eine alte Wiese und landete auf einem großen Stein.

Unterhalb dieses Steines saß ein Frosch, der fröhlich vor sich hinquakte.

Als er den Floh bemerkte, hielt er mit dem Gequake auf und bat den Floh, ihn zu stechen.

Dies war dem Floh ein Leichtes. Er flog hinab zum Frosch und piekste ihm mit seinem kleinen, stacheligen Rüssel in eine der runden Froschwarzen auf dessen Rücken.

Er spuckte dem Frosch dabei ein wenig seiner Floh-Flüssigkeit in den Leib, sodass es dem Frosch sogleich ganz fürchterlich zu jucken begann.

Der Floh hatte Angst, der Frosch könnte ihm nun böse sein, und flog sofort eingeschüchtert weiter.

Der Frosch hingegen blieb unten am Stein sitzen und wunderte sich.

Er wunderte sich über die Wirkung des Flohstiches.

Er hatte auch guten Grund, sich zu wundern.

Die Warze, in die der Floh ihn gestochen hatte, war nämlich im Begriff zu wachsen.

Ja! Sie wurde immer größer.

Es dauerte nicht lang, und die Warze war doppelt, nein dreifach, nein, um ein Vielfaches größer als der Frosch selbst.

Sie wuchs und wuchs und wuchs…

Da kam der Moment, als der Frosch wusste, dass sein letztes Stündlein geschlagen hatte.

Die Warze an seiner Seite war nun so übergroß geworden, sodass sie gleich platzen würde.

Als der Frosch dies gerade dachte, spürte er einen kleinen Riss in seiner Froschhaut, und daraufhin folgte eine mächtige Explosion.

Mit einem fürchterlichen Knall zerriss es den kleinen Frosch und dessen übergroße Warze.

Es flogen überall Froschschenkel, Froschaugen, Froschbauch samt Innereien, Froschblut, Froschpipi und Froschkot durch die Luft.

Jeder, der sich im Umkreis von mindestens vier Metern aufhielt, würde jetzt mit einigen seiner Froschteilchen bekleckst sein.

Da sich aber keiner in seiner Nähe aufhielt, musste sich darob niemand Sorgen machen.

Außer der Autor und der Leser dieser Geschichte.

Jene, also Du und ich, müssen uns nun vielleicht ein wenig ekeln.

Aber das macht nichts, denn, wenn Du, lieber Leser, diese Geschichte weiter lesen magst, wirst Du erkennen, dass dies alles nicht ganz so eklig ist, wie es gerade den Anschein hat.

Weiter in der Geschichte:

Die Wiese war bis zu dem Tag alt gewesen. Es interessierte sich kaum jemand für die Wiese, denn seine Bäume waren runzelig und hässlich. Sein Gras war schon fast grau und die wenigen Blumen waren so alt, sodass es endlos dauerte, bis ihre Farbe irgendein Auge erreichte.

Als aber nun die vielen, kleinen Froschteilchen auf der Wiese landeten, sickerten eben diese sofort in den Boden, um dort ihren ganz besonderen Froschzauber von sich zu sprühen.

Ja. Die Wiese wurde an Froschkraft derart angereichert, sodass sie plötzlich, wie von Geisteshand, wieder saftig grün wurde. Die Bäume strahlten plötzlich wieder Kraft aus, sie begannen bunte Blühten zu tragen. Die Blumen wurden knallbunt und eine prachtvolle Schönheit bemannte sich der Wiese. Sie wurde mit einem Male so schön, sodass sie im ganzen Lande bekannt wurde.

Selbst der Floh, vom Anfang unserer Geschichte, der bereits weit, weit weg von dieser Wiese herumflog, hörte von einer seltsam schönen Wiese, die man unbedingt mal gesehen haben muss! Als er nachfragte, wo denn diese Wiese sei, und man ihm die Wegbeschreibung gab, wunderte sich. Er kannte die Wiese, aber hatte sie als sehr alt und hässlich in Erinnerung.

Man bestätigte ihm aber, dass es sich hier sicherlich nicht um einen Irrtum handelte.

Der Floh wollte sich selbst überzeugen und flog zurück zu der Wiese.

Und tatsächlich1 Es war zwar dieselbe Wiese, aber sie war nicht mehr alt, und schon gar nicht hässlich. Es übermannte ihn ein gewisser Stolz. Denn als ich, der Autor dieser Geschichte, dem Floh erzählte, wie es zu dieser äußerst wundersamen Verwandlung gekommen war, sah er sich als Held der Geschichte.

Er flog von dem Tag an mit stolzer Brust umher und meinte, dass sein Stich jede Wiese schöner machen würde, würde er nur die Gelegenheit erlangen einem Frosch in eine Warze zu stechen!

Und damit hatte er wohl Recht.

Aber, wie die Dinge im Leben halt so sind, fand er nie wieder einen Frosch, der sich freiwillig von ihm in eine Warze stechen ließ.

Also flog er weiter, und wenn ich nicht mehr über ihn schreiben würde, so flöge er wahrscheinlich noch immer zwischen irgendwelchen erfundenen Zeilen umher…

ENDE der Geschichte….

 

Der rote Stift

 

Ich habe Gestern einen kleinen, roten Buntstift kennen gelernt.

Vielmehr, ich habe ihn gerettet.

Ich bin die Strasse bei uns um die Ecke entlang geschlappt, als ich ihn in einer dreckigen Wasserpfütze liegen sah.

Er blubberte mir aus dem Wasser einen unverständlichen Hilferuf entgegen.

Ich bückte mich und nahm ihn aus seiner unangenehmen Lage heraus.

Seine Spitze war abgebrochen, und der Rumpf mit Wasser angesaugt.

Ich schüttelte das Nass aus ihm heraus und horchte nun gespannt auf das, was er zu sagen hatte.

Er meinte mit zitternder Stimme, er wäre aus den Schulranzen eines kleinen Mädchens gefallen, welches zu hastig die Strasse überquert hatte.

Er sei in diese eklige Pfütze gefallen und hatte sich schon gedacht, dass dies sein Ende sei.

Er meinte weiter, der Blick in die Welt sähe von unter Wasser, was noch dazu so dreckig war, sehr verzerrt und verschwommen aus.

Ich antwortete ihm, dass ich ihn bei mir zu Hause ein wenig auf die Heizung legen würde, damit auch das restliche Wasser aus ihm heraustrocknen könne.

Er fragte mich, ob ich ihn denn danach auch wieder spitzen könne, worauf ich mit einem „Natürlich!" antwortete.

Ich nahm ihn mit nach Hause, legte ihn wie versprochen auf die Heizung.

Als er dann trocken war, zückte sogleich einen lehren Zettel, spitzte den Stift, und kritzelte mit seiner roten Farbe eine kleine Skizze nieder.

Der kleine, rote Stift war wieder glücklich.

Wir waren von diesem Augenblick an Freunde.

 

 

 

Des Schreibers Zuflucht

Das Schreiben ist meine einzige Zuflucht für mein Herz.

Hier pulsieren die Worte zu einem fühlbaren Gehäuse zusammen.

Hier pumpt Erlebtes, Unverdautes und Gefühl durch die Venen meines Systems.

Tagsüber halte ich meine Empfindungen zurück, versuche ich zu überleben.

Abends tippe ich meine Gedanken in den Computer, um nicht völlig undokumentiert den Tag verstreichen zu lassen.

Ich erkenne in diesem Vorgang eine gewisse Rettung meines unruhigen, angsterfüllten und gequälten Gemüts.

Da ich mir im Zusammentreffen mit anderen Menschen meistens zu viele Gedanken mache, brauchen diese eben einen Platz, worin sie festgehalten werden können, einen Platz, wo sie sich zu Hause fühlen dürfen.

Gedanken können ein Eigenleben entwickeln, die einem den Schlaf rauben, wenn man mit ihnen unbewusst umgeht.

Ich ertrage die Oberflächlichkeit mancher Menschen nicht.

Zumeist erwarte ich aber auch einfach zuviel von meinem Gegenüber.

Es ist schon seltsam, wie man sich verändert.

Ist es jugendlicher Leichtsinn, der mich früher unbeschwerter durchs Leben gleiten ließ?

Zum Teil wahrscheinlich schon.

Aber, es sind auch gewisse Erlebnisse, die mich skeptischer, zurückgezogener und verhaltener gemacht haben.

Diese Erlebnisse, ich will jetzt nicht näher auf Einzelheiten eingehen, haben Furchen gezogen, Linien, welche sich in meine Seele eingraviert haben.

Dies mag sich eventuell als Vorwurf anhören, was ich aber so nicht meine.

Es geht mir also nicht um das Verzeihen, sondern vielmehr um den Umgang mit den schmerzhaften Erlebnissen.

Wie viele Furchen kann man im einem Leben wohl ertragen?

Ich glaube, dies ist wohl von Mensch zu Mensch verschieden.

Das, was ich mir vornehme, und das, was ich schaffe, sind auch meistens zwei paar Schuhe.

Zum Beispiel: Ich habe mich den ganzen lieben Tag meiner Umgebung angepasst.

Ich habe mit anderen mitgelacht, mitgeweint, mitempfunden, mitgeschimpft, mitgesungen, mitgelitten.

Dann, wenn ich nach Hause komme, findet erst mal die Zeit des Nichtseins statt.

Wenn ich glaube, dass ich zufrieden bin, und mir mein Inneres kein Signal des Bedürfnisses nach Verdauung und Bewältigung gibt, gehe ich zu Bett, um mich der nächtlichen Ruhe hinzugeben.

Dabei überspringe ich jetzt bewusst den allabendlichen Hergang der Entspannung, wie auch immer der von mir gestaltet wurde. Denn, wenn ich mich hier aufhalte, kommen die vielen Eindrücke moderner Einflüsse der Medien noch hinzu.

Wenn ich also im Bett liege, im Glauben, ich sei ruhig und entspannt, so kommt es nur zu oft vor, dass ich gleich nach wenigen Stunden aufwache und nicht mehr einschlafen kann.

Unverdautes macht sich in mir breit.

Um diesen unvergnüglichen Zustand zu vermeiden, setze ich mich vor dem Schlafengehen zum Schreibtisch, und zeichne meine Gedanken, meine Gefühle auf.

 

Die sechs spanischen Saiten

Wir steigen herab und beobachten eine seltsame Ereignung.

Nämlich, wie sich die gesamten sechs Saiten einer spanischen Gitarre eigenmächtig vom Steg lösen, um sich gemeinsam auf nach Spanien machen zu wollen.

Muss man sich hier langsam Gedanken machen, ob die Welt noch in Ordnung ist?

Nicht, weil dieser Vorgang etwa seltsam und unmöglich erscheint, sondern weil die sechs Saiten vielleicht ihre wahre Berufung nie erfüllen konnten.

Wer kommt schon auf den Gedanken, dass die Saiten, obwohl auf ihnen spanische Musik gezupft wurde, Spanien noch nie gesehen haben?

Man sollte nie von etwas reden, ohne davon Ahnung zu haben, oder?

Wie wäre es, wenn man Musik macht, ohne davon Ahnung zu haben?

Käme das nicht einer Blasphemie nahe?

Eben diese Gedanken werden sich die gesamten sechs Saiten wohl gemacht haben.

Und so sitzen sie nun im Zug und fahren nach Spanien.

Alle Sechse sind nervös und sehr „gespannt"(…um ihren Sprachslogan zu verwenden).

Wir können auch „gespannt" sein, was sie dort wohl erleben werden.

Aber – zu diesem ein anderes Mal.

Dann, wenn sie dort angekommen sind, wenn ein wenig Zeit vergangen ist, und sie von ihren Erfahrungen erzählen – nein: „spielen" - können.

Bis dahin wünschen wir ihnen eine spannende Zugfahrt!

 

Der Tod meines Vaters

Es ist seltsam.

Trotz des Schmerzes, den man hat, wenn man einen geliebten Menschen verliert, erkenne ich den Sinn darin.

Er besteht aus der Möglichkeit neu anzufangen...

Mein Vater war ein Mensch, der seinen Finger in die Wunden anderer gesteckt hat, und mittels seines Charmes und Humors fähig war, einen über sich selbst lachen zu lassen.

Das Lachen!!!

Wir sind nicht hier, um zu leiden! Das Leiden machen wir uns selbst.

Jeder ist für sich selbst verantwortlich und man hat jeden verfluchten Tag die Möglichkeit sich zu entscheiden, ob man leben oder leiden möchte.

Daß dies nicht immer leicht ist, ist noch lange kein Grund aufzugeben.

Ich kenne so viele Menschen, die sich nach einer Verletzung in sich selbst zurückziehen, mögliche Öffnungen und Zugänge zum Herzen verkleben, und ganz schwer wieder aus sich herauszulocken sind.

Das Leben ist aber so schön, so voller Abenteuer, so voller Kraft und Schönheit, daß es wirklich verschwendete Energie ist, es mit Leid auszufüllen.

Wenn Leiden kommt, heißt man es willkommen, wenn Glück kommt, heißt man es willkommen, denn eigentlich weiß man: Sie sind Partner im selben Spiel.

Das hat mich der Tod meines Vaters gelehrt.

Diese Erkenntnis vergegenwärtige ich jedes Mal, wenn es wieder weh tut.

Erst dann kommt eine völlig neue Würze in das Leben – der Duft der Freiheit, der Duft des Nicht-Festhaltens, der Ungebundenheit.

Das macht mich ruhig, still und ich lerne zu akzeptieren...

Fast fünfzehn Jahre vor seinem eigentlichen Tod wurde mein Vater innerhalb von neun Monaten sechs Mal am Tod haarknapp vorbei operiert.

Man sagte ihm nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus, er werde nie mehr gehen können.

Der sture Kerl ist aufgestanden, hat sich nichts einreden lassen, und ist wieder umhergegangen.

Ihm wurden sodann weitere glückliche Jahre geschenkt, die er in vollen Zügen genoss.

Zum Schluß merkte er, daß an seinem Herz wieder was nicht stimmte.

Er verweigerte sich, zum Arzt zu gehen.

Irgendwie hat er gewußt, daß es diesmal nicht so glimpflich ausgehen würde.

Als er dann einen schwachen Herzinfarkt erleiden mußte, wurde er operiert.

Es verlief zunächst alles gut, man versetzte ihn in ein künstliches Koma, damit sich sein bereits geschundener Körper erholen konnte, als die Herz-Lungen-Maschine unbeaufsichtigt für drei Minuten aussetzte.

Diese drei Minuten kosteten ihm letztendlich sein Leben.

Ich war zu der Zeit am Theater in Bad Hersfeld, stand mitten im Premierenstreß, redete am Tag mit meiner Mutter mindestens vier, fünf Mal, versuchte sie aufzumuntern, versprach ihr, ich werde nach der Premiere (von "Auf die Minute" von OUT OF NOTHING) sofort nach Hause kommen.

Mein Vater erlitt sodann einen schweren Hirnschlag, und man wußte nicht, ob er jemals wieder zu sich kommen würde. Meine Mutter bat mich, eine Tonaufnahme zu machen, worauf ich und meine Frau zu ihm reden sollten.

Ich kaufte ein Diktiergerät und wir redeten...

Als diese Aufnahme an sein Ohr gehalten wurde, wachte er – das war ein Wunder – auf, weinte aus seinem rechten Auge, lächelte kurz, und verließ dann (am 1.August, um 00:37 Uhr, genau während unserer Premiere) seinen sterblichen Körper...

Das Letzte, was er hörte, war meine Stimme.

Das Letzte, was er spürte, war die Hand meiner Mutter.

Während ich diese Zeilen schreibe, lächelt er von einem Photo herab, welches hier auf einem Regal, neben dem Computer steht.

Als ich nach Hause kam, war bereits alles zu seiner Verbrennung vorbereitet.

Es haben so viele Freunde meiner Mutter geholfen, finanziell und seelisch beistehend, um diesen letzten, schweren Schritt zu tun.

Es waren 15 Leute unserer nahen Verwandtschaft aus allen Ländern gekommen, und wir rechneten mit ca. 20 Leuten aus unserem Freundeskreis.

Es kamen geschlagene 472 Menschen!!

Wir waren überwältigt von der Tatsache, daß er keine Feinde, sondern nur Freunde hatte.

Das, was mich am meisten mitnahm, war der Moment, wo sich die zwei riesigen Flügeltüren schlossen, und der Sarg dahinter verschwand. Meine Mutter saß neben mir, in der ersten reihe, und winkte ihm nach.

Unter schwerem Schluchzen stammelte sie voller Liebe die Worte:

 

"Thank you, Uffi, for a lovely life you gave me!"

Mir fiel nichts anderes ein, als meiner Mutter zu danken, daß die zwei miteinander geschlafen, mich dabei gezeugt hatten, damit ich dies erleben durfte.

Ich kann mich nur bedanken, daß die beiden mir eine so tolle Kindheit geschenkt haben, und daß sie mir die Möglichkeit gaben, das Beste aus meinem Leben zu machen!

Ich hatte immer ihre vollste Unterstützung!

Das Leben geschenkt zu bekommen, ist das Größte und Schönste auf dieser manchmal so grausamen Welt...

Jetzt sitzt meine Mutter in Linz, in dem Haus, und gibt Gesangsunterricht, versucht sich ihr neues Leben so produktiv wie möglich zu gestalten.

Leider Gottes hat mein Vater zum Schluß seinen Überblick über die Finanzen völlig verloren.

Er verkaufte Lebensversicherungen, Pension, einfach alles...

Nun reicht das Geld aber nicht aus, um meiner Mutter das Abbezahlen des Hauses, in dem sie eigentlich bleiben will, zu finanzieren.

Ich fahre alle zwei Wochen nach Hause, um mit den Banken zu reden, und versuche mit Hilfe von Freunden, von denen es wirklich viele gibt, meiner Mutter zu helfen.

Was auch noch ein großes Thema ist, welches mich durch das Gehen meines Vaters beschäftigt, ist das Ego...

Jeder wird ohne Ego geboren.

Bei der Geburt ist ein Kind einfach nur Bewußtsein - schwebend, fließend, strahlend, unschuldig, rein.

Es gibt kein Ego. Ganz allmählich wird das Ego ausgebildet – von anderen.

Das Ego ist die Auswirkung der angesammelten Meinungen, die andere von Dir haben.

Das Wesen eines Kindes wird nicht einfach so akzeptiert. Es werden ihm Bedingungen gestellt.

Ein Beispiel:

Wenn es heult und schreit und vielleicht gerade Besuch im Haus ist, dann wird die Mutter sehr ärgerlich.

Wenn es heult und schreit, und es ist kein Besuch da, dann kümmert sich die Mutter nicht darum.

Wenn es nicht heult und nicht schreit, belohnt es die Mutter mit einem liebevollen Kuß und streichelt es.

Wenn Besuch da ist, und es schreit und heult nicht, dann wird es von der Mutter belohnt.

Es eignet sich die Meinung an, die andere von ihm haben. Es schaut in den Spiegel der Beziehungen.

Du kannst Dein Gesicht nicht direkt sehen.

Du mußt in einen Spiegel sehen, um im Spiegel Dein Gesicht zu erkennen.

Diese Refletion wird zu Deiner Vorstellung von Deinem Gesicht, und es gibt Tausende von Spiegel um Dich herum. Sie alle spiegeln Dich wieder.

Jemand liebt Dich, jemand haßt Dich, jemand ist gleichgültig.

Dann wächst das Kind langsam heran und sammelt immer mehr Meinungen von anderen.

Die gesamte Essenz der Meinungen anderer ist dann das Ego.

Dann beginnt es sich selbst so zu sehen, wie es von anderen gesehen wird.

Es beginnt sich selbst von außen zu sehen. Das ist das Ego.

Wenn die Leute es anerkennen und applaudieren, dann denkt es, daß es ganz in Ordnung und akzeptiert ist.

Wenn die Leute nicht applaudieren und es nicht anerkennen, sondern ablehnen, dann fühlt es sich verurteilt.

Dann sucht es ständig Mittel und Wege, um anerkannt zu werden, um immer wieder bestätigt zu bekommen, daß es würdig ist, daß sein Dasein einen Wert hat, einen Sinn, eine Bedeutung.

Dann bekommt es Angst davor, es selbst zu sein.

Es muß sich ja der Meinung der anderen anpassen.

Wenn man aber sein Ego losläßt, wird man plötzlich wieder ein Kind.

Nun macht man sich keine Sorgen mehr, was die anderen von einem denken.

Dann kümmert man sich nicht mehr, was andere von einem denken.

Man kümmert sich nicht mehr darum, was andere über einen sagen. Man kann den Spiegel wegstellen.

Er ist nutzlos. Du hast Dein Gesicht, wozu noch den Spiegel fragen?

Ich gebe zu, ich schaffe es noch nicht ganz, mein Leben so zu leben, aber ich weiß, das ist der Weg.

Man glaubt, wenn andere ein Problem mit Dir haben, daß es zu Deinem Problem wird.

Die anderen denken aber eigentlich nicht an Dich, sondern nur an sich selbst.

Weil wir in einer Gesellschaft leben, die durch Erziehung, Religion und Politik schon so verseucht wurde, ist es schwer nicht so zu sein, wie es die anderen gerne haben.

Der Verstand ist Herr über unser Herz geworden. Der Verstand ist wichtig, sehr wichtig;

für das Geschäft, für das tägliche Brot, für den Luxus, den wir alle haben wollen.

Er läßt aber kein Lachen zu. Er ist sehr ernst.

Und, Ernst ist der Krebs unserer Seele, unseres Herzen.

Erst kommt das Sein; dann das Herz; dann der Verstand.

Wenn diese Hierarchie umgedreht wird, dann wird man krank; und unsere Gesellschaft ist krank.

Sie ist manipulierbar, und genau das will die Kirche, die Religion, die Politik, die Erziehung.

Ein Kind sucht sich nicht aus, ob es Moslem, Christ, Buddhist, braun, gelb oder weiß ist.

Das sucht sich die Gesellschaft aus, mit all ihren Instituten, Einrichtungen, Clubs und sonstigen, dummen Regeln. So entstehen Kriege, Ängste vor dem Fremden.

Zum Thema Luxus, den wir alle haben wollen...

Liebe ist zum Beispiel Luxus.

Das sage ich nicht, weil mir weh getan wurde, sondern, weil es einfach so ist.

In den ärmsten Ländern der Welt bekommt eine Familie mehrere Kinder.

Ja, man verheiratet sogar Kinder im Alter von bereits fünf Jahren.

Manchmal sogar schon bevor sie zur Welt kommen.

Der arme Mann hat kein Geld und keine Möglichkeit ins Kino, ins Museum, etc... zu gehen.

Er arbeitet bis er umfällt, hat dann mehrere Kinder, die seinen Job übernehmen können.

Das Schöne kann er nicht so genießen, wie die Menschen in reichen Ländern.

Für die wahre Liebe hat er keine Zeit.

Er lebt vom Nutzen und nicht vom Luxus.

Luxus ist was Gutes, was Schönes, aber viele Menschen dieser Erde können ihn sich einfach nicht leisten.

Die meisten, die sich Luxus leisten können, schätzen ihn aber nicht mehr.

Sie halten an ihm fest, wissen ihn aber oft nicht mehr zu schätzen.

Warum gehen so viele Ehen auseinander? – Weil die Ehe nicht mehr nötig ist!

Wer braucht schon eine solche Moralpolizei?

Die Ehe ist eine große Lektion.

Sie ist die Gelegenheit, etwas zu lernen: nämlich zu lernen, daß Abhängigkeit nicht Liebe ist, daß Abhängigkeit zu Konflikten, Wut, Zorn, Haß, Eifersucht, Besitzgier und gegenseitigem Beherrschen führt.

Man muß lernen, nicht abhängig zu sein.

Dazu bedarf es einer sehr meditativen Einstellung, so daß man für sich allein so glücklich ist, daß man den anderen nicht braucht. Wenn Du den anderen nicht brauchst, hört die Abhängigkeit auf.

Wenn Du den anderen nicht brauchst, kannst Du Deine Freude mit anderen teilen – und Teilen ist etwas Schönes.

Ich wünschte mir eine andere Art von Beziehung auf der Welt.


Klein Hubert und die Luft

Als Hubert jünger war als ein Erwachsener, fragte er eines Tages seinen Papa, wie man denn einen Baum richtig zeichne.
Sein Vater meinte, er solle nie den Baum selbst zeichnen, sondern die Luft um den Baum herum.
Damit bekäme das Abbild Eigenleben.
Also zeichnete klein Hubert seither immer nur die Luft.
Er sah Menschen, Tiere, Steine, Wurzeln, das Meer, Berge, Bäume, alles Mögliche, und als er begann diese abzuzeichnen, fing er immer mit der Luft an, da sein Vater ihm dies geraten hatte.
Es endete damit, daß Hubert nur mehr Luft zeichnete.
Luft schien ihm viel wichtiger, als die Formen, welche es abzuzeichnen galt.
Luft war da, bevor es Formen gab.
Egal, ob sich diese Formen bewegten oder nicht.
Zuerst kam die Luft.
Die Menschheit um Hubert herum fing an seine Zeichnung banal zu finden.
Kein Wunder, denn Hubert zeichnete nichts mehr.
Das weiße Blatt Papier, welches er vor sich liegen hatte, blieb weiß.
Voller Stolz zeigte er das Papier den Erwachsenen, doch diese rümpften die Nase und meinten, da wäre ja gar nichts zu sehen.
Hubert verstand deren Reaktionen nicht.
Er wollte seinen Vater fragen, was denn dieses seltsame Benehmen der Erwachsenen bedeute, doch sein Vater war zu diesem Zeitpunkt bereits gestorben.
Also versuchte der kleine Hubert sich selber Antworten zu liefern.
Ihm kam kein anderer Gedanke, als daß seine Bilder wunderschön waren.
Er ließ sich nicht aufhalten und malte weiterhin Luft.
Eines Tages sah er sich seine leeren Blätter Papier an und lächelte.
Die Blätter allein waren schon zuviel des Guten.
Hubert hörte auf zu malen.
Er sah nur noch diese wunderschöne, reiche, sanfte und allumfassende Luft, welche das Leben bedeutete.
Eines Tages saß klein Hubert auf einer Wiese und sah der Natur zu.
Er sah Bäume, eine Wiese, Insekten, die darin tanzten, Vögel, welche die Insekten jagten.
Er genoß den Anblick dieses Schauspiels.
Er atmete tief ein und wieder aus,
Es war die Luft, die ihn leben ließ.
Er begann seinen toten Vater zu verstehen.
Klein Hubert wurde erwachsen.
Er war in Luft gebettet.
Sie würde ihn begleiten solange sein Leben dauern würde.


Fisch, Frau, Muecke, Hubert

Ein Fisch flog durch das Zimmer, in dem Hubert saß.
Es war ein Barsch.
Seine Schwanzflosse wedelnd, öffnete er sein rundes Maul.
Es floss eine wunderschöne, nackte Frau aus ihm heraus.
Ihre Haar war aus rotem Feuer und ihr Lächeln wärmte sein Herz.
Sie nahm auf seinen Lenden Platz und entlockte ihm seinen Lebenssaft.
Der Fisch schwamm zum offenen Fenster hinaus und verschwand in der Dunkelheit.
Er öffnete seinen Augen.
Sie war nicht mehr da.
Er war wieder allein in seinem Zimmer.
Seine Sehnsucht trieb ihn auf die nächtlichen Straßen der Großstadt.
Auf der Suche nach dem Fisch landete er in einer Wirtskneipe.
Dort schlief er, den Kopf auf einem Holztisch abgestützt, ein halbvolles Bierglas in der Hand haltend ein.
Er fing an zu träumen...

Irgendwo, im dunklen Wald, war ein Baum umgefallen.
Er hatte dabei mit seinen entfesselten Wurzeln ein tiefes Loch in den Boden gerissen.
Hier lag ein uraltes Tier.
Es hatte sich zum Sterben niedergelegt.
Seine Haut war Milch, seine Augen blind, und es wartete auf Hubert.
Er trat auf das Tier zu.
Es hob den Kopf, als ob es ihn sehen könnte.
Zwischen den Beiden war so etwas wie Wissen.
Die Welt rundherum schlief.
Nur der Wald war Zeuge dessen, was hier geschah...
Ein Rabe flatterte auf.
Seine Flügel verdrängten Luft und Zeit.
Das alte Wesen in der Grube öffnete sein Maul.
Als Hubert in dessen Schlund blickte, erkannte er für einen winzigen Augenblick das Lächeln der blonden Schönheit, die ihn so beglückt hatte.
Dann wurde der Wald von einem Todesschrei erfüllt.
Das alte Tier brach in sich zusammen.
Stille...
Er fand einen langen, harten Dorn eines Rosenbusches, und kratzte dem Wesen die Haut ab.
Dann legte er sich sie um. Wie einen Mantel, der schützend über all das wachte, was kalt auf sein Herz prallte.

Eine kleine  Mücke saß an der Kante eines Biertisches, in einer Wirtskneipe.
In dem Raum befanden sich mehrere betrunkene Menschen.
Das Insekt bestaunte die großen Wesen und deren Verhalten.
Es verstand zwar nicht was die da so redeten, war aber fasziniert von dem Auf, - und Zumachen ihrer fleischigen Wölbungen, genannt Münder, worein sie immer wieder diese gelbe Flüssigkeit, auch Bier genannt, gossen.
Beim Reden spuckten sie, und ab und dann tönten sie laute Schreie in den Raum, das bei den Menschen als Lachen bekannt war.
Eigentlich war die Mücke hier herein geflogen, weil es nach menschlichem Blut roch, und sie schon seit geraumer Zeit großen Durst hatte.
Also suchte sie sich ein Opfer aus, in den sie ihren langen Saugrüssel stecken konnte.
Es dauerte nicht lang, schon hatte sie ihren Favoriten ausgesucht.
Einen Mann, der dort an einem Tisch seinen Kopf in seine Arme verschränkt hielt.
Er schien zu schlafen.
Von seinen offenen Poren drang ein von seinem Schweiß süßlicher, und nach dieser gelben Flüssigkeit säuerlich riechender Geruch hervor.
Das war genau der Geruch, den das kleine Tier am liebsten hatte. Je aufdringlicher, desto besser!
Bevor ihr Opfer es überhaupt bemerken konnte, war die Mücke hochgeflogen, und in den Nacken, zwischen Hemdkragen und Nackenhaare, abgetaucht.
Dort angekommen, rollte sie ihren Rüssel aus und grub ihn tief in das Menschenfleisch.
Jetzt folgte ein genussvolles Saugen und Löschen ihres Durstes.
Hiernach ging es daran, sich unbemerkt wieder aus diesem Ort zu entfernen.
Ihre Erfahrung hatte es sie gelehrt, dass ihre Opfer beim Herausziehen des Rüssels, den juckenden Stich bemerkten und nach ihr schlugen. Also ging sie sehr vorsichtig vor.
Als sie den Rüssel wieder bei sich hatte, krabbelte sie wieder den Nacken empor.
Und – siehe da - es gelang ihr tatsächlich unbehelligt von ihrem Opfer davonzufliegen.
Der Mann schien so betrunken zu sein, dass er den geheimen Überfall nicht im Mindesten bemerkt hatte.
Die Mücke flog durch den verrauchten Raum, und fand letztendlich eine Fensteröffnung, aus der sie in die frische Luft entweichen konnte.
Jetzt wollte sie sich ein Plätzchen suchen, an dem sie sich zur Verdauung niederlassen konnte.
Hierzu kam ihr eine Straßenlaterne, die grell aufleuchtete, und in dem Dunkel der Nacht eine wunderbare Wärme ausstrahlte, genau richtig. Dort tummelten sich allerlei Genossen ihrer Art, und auch andere Insekten.
Manche saßen still da und wärmten sich die Flügel. Andere wiederum surrten und schwirrten wie besoffen um das Licht herum.
Unsere Mücke fand sich einen angenehmen Platz zum Ausruhen genau am Rand des Laternenschirmes.
Dort hatte sie ihre Ruhe und noch genug Licht und Wärme.

Hubert erwachte.
Auf seiner Zunge kämpften Soldaten.
Sie lagen im Krieg mit all den üblen Geschmäckern, die über eines wirren Träumers Gaumen wandern...
Die Realität tat ihm weh.
Sie vergiftete seine Träume, in denen er zu Hause war.
Er quälte sich ins WC der Bar, um sich das Gesicht mit kühlem Wasser zu benetzen.
Als er den Wasserhahn aufdrehte, rauschte ihm das Meer um die Ohren.

Er stand am Strand, und starrte in den Horizont.
Die Sonne blutete rot und die Wellen klatschten rhythmisch gegen die Gischt.
Langsam, Schritt für Schritt, tappte Hubert ins Wasser, bis der Boden unter seinen Beinen verschwand.
Die Wellen umtanzten ihn wie spielende Kinder...
Von Oben brannte ihm die Sonne auf den Rücken, von Unten kühlte ihn die Tiefe den Bauch, und sein Körper wurde etwas unbeholfen durch die Wassermassen getrieben...
Seine kleinen, rudernden Bewegungen richteten keinen Schaden an.
Sie gaukelten ihm lediglich vor, er hätte seine Lage völlig im Griff.
Die Landschaften unter ihm - er konnte den Boden noch sehen, denn so weit war er ja noch nicht vom Land entfernt – streckten sich gänzlich, von Menschenhand unberührt, vor ihm aus.
Felsenformationen, Sandbuchten und Felder von Seegras, welche sich zu den Unterwasserströmungen tanzend bewegten, all diese Wunderwelten berauschten seine Sinne auf das Heftigste.
Seine Haut wurde von einer Gänsehaut nach der anderen überflutet.
Er fühlte sich Eins mit dem Element Wasser.
Als er sich so vergessend an der Oberfläche trieb und auf diesen Reichtum an Schönheit starrte, bemerkte er von Weitem einen kleinen Punkt auf sich zuschwimmen.
Er wurde größer und größer und entpuppte sich als der Fisch, der zu Anfangs dieser Geschichte durch sein Zimmer geflogen war.
Als jener auf Tuchfühlung an ihn herangeschwommen kam, winkte Hubert ihm mit einem freundlichen Lächeln zu. Der Fisch öffnete sein weites Maul und verschluckte Hubert zur Gänze.
Er war nun im Inneren, im Magen dieses Tieres.
Hier breitete sich ein kristallklarer See vor ihm aus. Um den See herum war  ein Sandstrand, der aus feinem, hellbraunen Sand bestand. Gleich dahinter fing der dichte Wald an.
Hubert sammelte etwas Holz und Reisig, rieb zwei Holzstäbchen aneinander, bis er bald ein kräftiges Lagerfeuer zu Stande gebracht hatte. Hiernach ging er an den Rand des Waldes, um sich Beeren von den verschiedensten Sträuchern zu pflücken, welche er später essen wollte.
Zufrieden setzte er sich an sein Feuer und spähte in die bereits hereingebrochene Nacht.
Über ihm leuchteten die Sterne mit einer solchen Kraft, sodass der See einem einzigen funkelndem Glitzerteppich glich.
Er war von dieser Schönheit der Natur derartig ergriffen, ihm liefen vor Freude und Zufriedenheit die Tränen.
Da raschelte plötzlich etwas hinter ihm im Gestrüpp...
Er wandte sich erschrocken um, und sah die nackte Frau mit dem feuerroten Haar.
Sie kam auf ihn zu, setzte sich abermals auf seine Lenden und liebte ihn bis zur Besinnungslosigkeit.
Alles löste sich in Liebe und Lust auf.
Als die beiden genau zur selben zeit einen Orgasmus hatten, lösten sich die Sterne, welche über ihnen funkelten, der Sand, auf dem sie lagen und der Wald, der friedlich Zeuge dieser Begebenheit war, völlig auf.
Alles floss in sich zusammen, so als ob Hubert und die Schöne das Zentrum des Universums wären.
Das Ganze glich einem schwarzen Loch, was alles verschluckte.
Am Ende waren nur die zwei Herzen, die übrig blieben.
Sie pumpten im selben Takt noch einmal auf und dann war es dunkel.
Völlige Finsternis...



Der Wasserstrahl plätscherte ins Becken und spritzte Hubert ins Gesicht.
Er drehte den Hahn ab, trocknete seine Hände, ging hinaus zur Bar, zahlte seine Rechnung und stieg hinaus in die Nacht, auf die leeren Strassen.
Dort fand er eine kleine Nebengasse, in der er einbog.
Hoch über ihm sah Hubert zwischen den links und rechts hochragenden Häusern den Vollmond leuchten.
Er legte den Kopf in den Nacken, breitete die Arme aus und fing an emporzuschweben.
Auf dem Weg zum Mond wuchsen ihm die Beine zusammen und hieraus bildete sich eine Schwanzflosse.
Auf dem Weg zum Mond wuchsen ihm Kiemen und Seitenflossen.
Auf dem Weg zum Mond wurde sein gesamter, menschlicher Körper in einen Fisch verwandelt.
Hubert war nun Fisch...

Die Mücke flog nach einigen Minuten hinab zu einer Parkbank und setzte ihren kleinen Körper auf das trockene Holz.
Ein junges, achtzehnjähriges Mädchen mit rotem Haar kam vorbei und setzte sich unmittelbar neben das Tier.
Die Mücke sah das Mädchen an.
Das Mädchen senkte den Kopf und erspähte die Mücke.
Für einen unendlichen Moment starrten die beiden sich an.
Da kam das Mädchen mit ihrem Kopf näher an das Tier heran und war nicht wenig verwundert.
So etwas hatte sie noch nie gesehen.
Die Mücke hatte ein menschliches Gesicht.
Es war das Gesicht einer wunderschönen Frau mit feuerrotem Haar.
Das Mädchen stammelte: „Wer bist Du?“, und die Mücke mit dem Menschengesicht antwortete: „Ich bin die Frau, die Du einst sein wirst.“
„Aber Du bist ja eine Mücke!?“, entgegnete das Mädchen.
„Das hast Du richtig erkannt.“, antwortete das Tier. „Ich habe mich mit Huberts Blut angesaugt, und wurde so zu einer traumhaften Wahrheit, die Du jetzt siehst. Mein Gesicht ist Deine Zukunft.“
„Aha.“, meinte das Mädchen, stand auf und lief in die Nacht.
Die Mücke lächelte freundlich und spähte dem Mädchen nach.
Dann sah sie zu den Sternen empor.
Dort konnte sie einen kleinen schwarzen Punkt entdecken, der sich kontinuierlich auf den Mond zu bewegte.
Es war der Fisch, es war Hubert, der dort flog.
„Gute Nacht, Hubert.“, sagte die Mücke. „Schöne Reise!“

Das Mädchen lief nach Hause, hinauf in ihr Zimmer und setzte sich an ihren Schreibtisch.
Sie holte aus einer Lade ihr Tagebuch hervor, klappte es auf, zückte einen Kugelschreiber und fing an zu schreiben. Die ersten Zeilen ihrer Eintragung lauteten:
„Ein Fisch flog durch das Zimmer, in dem Hubert saß.
Es war ein Barsch.
Seine Schwanzflosse wedelnd, öffnete er sein rundes Maul.
Es floss eine wunderschöne, nackte Frau aus ihm heraus.
Ihre Haar war aus rotem Feuer und ihr Lächeln wärmte sein Herz.
Sie nahm auf seinen Lenden Platz und entlockte ihm seinen Lebenssaft.
Der Fisch schwamm zum offenen Fenster hinaus und verschwand in der Dunkelheit... „


Huberts Bauch

Huberts Bauch war so groß, dass er vor ihm Angst hatte.
Aus diesem Grund hatte er irgendwann in der Vergangenheit angefangen, leise zu sprechen, und so viel wie möglich die Luft anzuhalten, um nicht aufzufallen.
Dadurch änderte sich seine Stimmlage, welche einst Bass-Bariton gewesen war.
Nun glich sie einem dünnen, ängstlichen Tenor.
Huberts Leben bestand hauptsächlich darin, seinen gewaltigen Bauch so unbemerkt wie möglich durch die Welt zu schieben, sodass er den entsetzten Blicken ausweichen konnte.
Wenn man ihn ansprach, schämte er sich zu Tode und fiepte mit kläglichem Stimmchen seine schüchternen Antworten.
Dabei verschränkte er seine Arme so über seinem Bauch, in der Hoffnung er könne einen Teil von ihm verstecken.
Fast jeder, der ihn sah und hörte, brach in Lachen aus, oder bestrafte Hubert mit verstohlenen Blicken.
Sein Körpervolumen fiel, egal wo er auftauchte, jedem sofort ins Auge.
„Und dann auch noch diese Stimme! Also, Nein!“
Hubert wurde immer trauriger und vereinsamte.
Dabei hatte er ja soviel Liebe in sich.
Er liebte die Menschen, und dies, obwohl sie ihn so respektlos behandelten.
Vielleicht war sein Bauch so groß, weil er darin seine Liebe zurückhielt?
Und so wuchs sein Bauch. Er wuchs und wuchs.
Hubert fing an, die Öffentlichkeit zu vermeiden.
Der Weg zum Supermarkt, der dortige Aufenthalt, um sich Essen zu besorgen, das Entlangtrotten der langen Gänge voller Angebote, das Beobachtetwerden, wie es ein so dicker Mensch überhaupt nur wagen kann, an Essen zu denken, all diese Zustände jagten ihm immer mehr Angst ein.
Irgendwann war er soweit, seine Wohnung nicht mehr verlassen zu wollen.
Die moderne Gesellschaft, mit all seinen Bequemlichkeitseinrichtungen, war ihm hier sehr dienlich.
Er bestellte sich nun sein Essen vorzüglich vom Pizzadienst.
Sein Kühlschrank wurde immer leerer, aber sein Bauch durch das Fastfood-Angebot immer größer.
Bald wurden ihm selbst die Wege vom Sofa, in dem er immerzu Fernsehen schauend saß, zum WC,
oder in die Küche höchst unangenehm.
Er war bereits so dick geworden, sodass er sein Geschlecht nicht mehr sehen konnte.
Irgendwann rückte er dann den Kühlschrank von der Küche in das Wohnzimmer.
Allein dieser Vorgang kostete ihm ganze zwei Tage.
Danach brauchte er vier Tage Erholung, die er mit übermäßiger Nahrungszunahme, Fernsehschauen und Schlaf zubrachte. Dass er hierbei immer wieder in sein Sofa, indem er saß, schiss und pinkelte, war ihm zwar höchst unangenehm, doch leider unvermeidbar.
Um diesen Zustand nicht zu verschlimmern, mühte er sich unter ernsthaften Qualen und Schmerzen am fünften Tag in seine Abstellkammer, wo er sich einen Wassereimer und eine Flasche Desinfektionsmittel holte.
Zurück am Sofa, richtete er sich so ein, dass er zum Verrichten seiner Intimgeschäfte keine großartigen Bewegungen mehr machen musste.
Nun war er zwar perfekt eingerichtet, doch dann kam eine neue Welle des Frustes.
Ja, er verfiel einer weiteren, heftigen Depression.
Seine Scham, schon so weit gekommen zu sein, sich nicht mehr zu den niedrigsten Bewegungen aufraffen zu können und zu wollen, steigerte seine Ekel vor sich selbst.
Er saß da und beweinte seinen Bauch. Er beweinte seine Einsamkeit. Er beweinte seine Isolation.
Natürlich flogen irgendwo im Wirrwarr seiner Gedanken auch Pläne zur Änderung seiner Situation umher.
Doch sein Frust und seine Angst vor seiner eigenen Schwäche waren zu groß geworden, um diesen Plänen bewusst nachzugehen.
Der einzige Kontakt zur Außenwelt war der Pizzadienst gewesen, dem er den Schlüssel zur Wohnungstüre draußen vor die Haustüre, unter die Matte legte. Dieser kam sodann durch die Wohnung herein, ins Wohnzimmer, wo Hubert lag.
Das Geld hierfür wurde ihm über sein Konto abgezogen, welches ihm immer wieder monatlich durch die Sozialhilfe dürftig angefüllt wurde.
Der angeekelte Gesichtsausdruck des Pizzaboten entging Hubert hierbei natürlich nicht, und löste immer wieder von Neuem eine innere Krise und Depression aus.
Um diesen seelischen Zusammenbrüchen zu entgehen, stopfte er gleich einmal zwei Pizzas in sich hinein, und betäubte sich mit dummen Fernsehprogrammen aller Art.
Also gab er sich seiner eigenen Ohnmacht völlig hin...
Sein innerlicher Widerstand kollabierte zur Gänze.
Sein Selbstbewusstein wurde durch seinen eigenen Bauch verschluckt.
Es vergingen Tage, Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre. Zeit spielte gegenwartsbezogen keine Rolle mehr...
Hubert träumte von seiner Vergangenheit, wo er noch ein Mann mit Bauch gewesen war.
Jetzt, hier auf seinem Sofa, vor seinem Fernseher, mit seinem Exkrementenkübel, und mit dem Kühlschrank,
den er nur mehr zur Aufbewahrung bestellter Pizzas nutzte, hatte Hubert scheinbar eine Art Endstation gefunden.
Hier, in der Gegenwart, war Hubert nur noch ein Bauch, in dem irgendwann einmal ein Mann gelebt hatte.

Eines Tages, als sein Bauch wieder Mal nach Essbarem lechzte, öffnete Hubert den Kühlschrank.
Ein Stück Salamipizza, welches er am Vortag zurückgelegt hatte, lachte ihn aus dem unteren Regal an.
Irgendetwas Befremdliches hielt ihn zurück, sofort danach zu greifen, um es gierig in den Mund zu stopfen.
Seine Augen wanderten über die kleinen Stücke Salami, hinweg über die Paprikaschoten, hin zu den kleinen Käsescheibchen. Als er so starrte, bemerkte er, wie sich die plötzlich Pizza bewegte.
Er rieb sich die Augen, denn er meinte zu halluzinieren.
Doch, als sein Blick wieder auf die Pizza zurückwanderte, sah er dort, auf der deren Oberfläche eine Landschaft. Hubert war zutiefst erschrocken. Er knallte die Kühlschranktüre zu und lachte kurz auf.
Seine Sinne taumelten kurz, er fing sich aber wieder ein, um erneut die Türe zu öffnen.
Er war sehr verblüfft, als er dort, auf der Pizza, noch immer diese Landschaft sah.
Er schob seinen Kopf etwas tiefer in den Kühlschrank, um das Phänomen näher zu betrachten.
Jetzt erkannte er, dass es sich um eine Wüstenlandschaft handelte:
Roter Sand. Weit und breit nur roter Sand. Vereinzelt herumstehende, stachelige Kakteen, und hier und da aus der Erde herausragende Gesteinsbrocken. Und, über alledem wachend die, glühend gleißende Sonne. 
Hubert befand sich in der australischen Wüste.
Er saß im Schneidersitz, wandte seinen Kopf nach allen Richtungen, und musste seine Augen zusammen kneifen, denn die Sonne am Himmel stach in seinen Augen.
Er blickte hinunter auf seinen Körper.
Er war gertenschlank! Und, er war schwarz! Seine Haut war schwarz. Schwarz wie die eines Ureinwohners.
Er war ein Aborigini!
Hubert stand auf. Zum ersten Mal, seit einer Ewigkeit, war es ihm möglich aufzustehen.
Seine Hände strichen über seinen Körper. Er fühlte Muskeln, Sehnen, Knochen, und die weiche, samtige, schwarze Haut, welche seinen durchtrainierten, drahtigen Körper vor der Sonne schützend überzog.
Er tastete nach seinem Gesicht. Seine Nasenflügel waren auffallend breit, seine Backenknochen ragten hervor, und seine Stirn zog sich tief über die Augen.
Er musste laut auflachen. Er war erneut überrascht. Seine Stimme war tief. Sie erinnerte ihn an früher.
Er fing an ein paar Schritte zu tun.
Mein Gott! Das war ein Gefühl! Hubert sprang in die Luft! Er wurde von einer tiefen, inneren Freiheit ergriffen.
Er sah sich kurz um, sah in einiger Entfernung einen Kaktus stehen, und beschloss dorthin zu laufen.
Seine Beine verliehen ihm das Gefühl, als ob er fliegen konnte. Leichtfüßig, wie eine Gazelle, schnellte er barfüßig über den heißen Wüstensand, und schon hatte er den Kaktus erreicht.
Hubert fiel auf die Knie, breitete seine Arme gen Himmel, legte den Kopf in den Nacken und fing an laut zu lachen. Sein Lachen wuchs und wuchs, bis es in ein hysterisches Weinen überging.
Es war kein Weinen der Trauer, sondern ein Weinen der puren Freude.
Hier kniete ein Aborigini, namens Hubert, auf der roten, heißen Erde Australiens, die Arme in die Höhe gerissen und vor Lebensfreude förmlich platzend! Und, über alledem glühte die erbarmungslose Sonne Australiens.
Hubert legte sich rücklings in den Sand.
Er sah in den Himmel empor und verlor sich in Gedanken. Langsam wechselte die Sonne ihre Farbe.
Sie wurde blutrot. Er sah nach Links und Rechts und genoss das atemberaubend schöne Naturschauspiel.
Der ohnehin schon rote Sand schien jetzt durch die rote Abendsonne zu brennen und zu glühen.
Der Horizont mischte sich mit dem Himmel. Es gab kein Oben und Unten mehr.
Lag er auf dem Boden und sah hinauf, oder schwebte er im Himmel und sah hinunter?
Er schloss seine Augen, und als er sie erneut öffnete, war es Nacht.
Über ihm funkelten die Sterne so prächtig, wie er sie noch nie zuvor gesehen hatte.
Die Erde war kühl geworden. Was für eine angenehme Abwechslung das doch war...
Hubert war zufrieden. Er ruhte in sich.
Er konnte sich nicht erinnern, wann er sich das letzte Mal so wohl gefühlt hatte.
Als er so dalag und sich der Schönheit des Seins hingab, bemerkte er dort oben im Himmel einen kleinen, dunklen Fleck. Er kniff die Augen zusammen, um es besser fokussieren zu können.
Der Fleck wurde größer.
Jetzt setzte sich Hubert auf. Was war das bloß?
Jetzt konnte er es erkennen. Der Fleck entpuppte sich als eine große, näherfliegende Salamipizza.
Sie flog heran und befand sich bald genau über Hubert. Dort, ungefähr in hundert Meter Höhe, hielt sie inne.
Sie war so groß wie ein Flugzeug. Vielleicht noch größer.
Mit einem Schlag hatte Hubert schreckliche Angst.
Ihm fiel seine Dickleibigkeit wieder ein.
Er sah auf seinen Körper hinab. Erleichtert stellte er fest, dass er immer noch schlank war.
Aber, was wollte diese Pizza dort oben?
Wollte sie ihm nur Angst einjagen, oder was bedeutete dies?
Er richtete sich auf, ballte die Fäuste und schrie die Pizza aus vollen Leibeskräften an.
Dies schien der Pizza aber völlig egal zu sein.
Sie verharrte dort oben am Himmel. Reglos, überdimensional groß und drohend.
Was tun? Weglaufen? Nein! Sie würde ihm ganz gewiss folgen.
Hubert blieb nichts anderes übrig, als sein Schicksal geduldig abzuwarten.
Als dieses Warten ins Unerträgliche wuchs, bewegte sich etwas, dort oben in der Pizza.
Genau im Zentrum des Pizzabodens, einem riesigen Ufo gleichend, öffnete sich im ein mächtiges Loch.
Aus diesem Loch schoss ein mächtiger Lichtstrahl herab zur Erde.
Und, Hubert stand genau in der Mitte dieses Lichtkegels. Wie in einem Spot.
Kaum war dies geschehen, fing Hubert auch schon an zu schweben.
Der Lichtstrahl zog ihn empor, hinauf zur Pizza.
Als er sich über der Pizza befand, schloss sich das Loch unter ihm, und seine Füße berührten den Boden.
Er war warm, etwas matschig, und roch nach warmen Käse und Salami. Nun. Nach was sonst?
Da erhoben sich mit einem Male sämtliche Paprikaschoten aus dem Pizzabelag.
Zu Huberts Erstaunen hatten sie Arme und Beine, und aus ihrem Inneren, als ob sie durchsichtig waren, konnte er kleine grinsende Gesichter erkennen.
Sie verneigten sich tief vor Hubert, griffen in den matschigen Boden und zogen verschiedene Streichinstrumente und Geigenbögen hervor.
Dann erhoben sich aus der Pizzamasse einige Salamischeiben.
Sie flogen aufeinander zu und vermischten sich miteinander, sodass aus dem ganzen Gebilde ein mächtiges Schlagzeug entstand.
Hiernach lösten sich auch die Käsestückchen aus dem Belag, und entpuppten sich nacheinander als
Trompeten, - Fagott, - und Klarinettenspieler.
Nun blieben nur noch einige Tomaten, - und Champignonscheiben übrig, welche sich zu den weiteren, leerstehenden Instrumenten begaben.
Im Nu stand ein fertiges Orchester vor Hubert.
Alles schien auf ihn zu warten. Er erblickte vor sich einen Dirigentenstab, der aus einem trockenen Teigstückchen bestand, hob ihn auf, sah sich majestätisch um, und begann zu dirigieren.
Er schloss die Augen und schwang den Stab zu himmlischen Klängen.
Hier, in der australischen Wüste, hoch oben im nächtlichen Himmel, auf einer schwebenden Riesenpizza stehend, war er nun der Dirigent eines Pizzabelag-Orchesters, welches ihm die schönste Musik spielte, die er je vernommen hatte!
Alles wurde Musik.

Hubert öffnete die Augen.
Er hatte sich soeben das letzte Stück Pizza in den Mund geschoben.
Sein Blick streifte über seine fettigen Finger, die er dann fein säuberlich ableckte.
Danach schloss er den Kühlschrank, aus dem die kalte Luft strömte.
Er war traurig, dass sein Traum ein Ende hatte.
Diese warme Wüstenluft, der Klang seines Pizzabelag-Orchesters, seine dunkle Haut und die feinen, schlanken Glieder, die ihn wendig und flink überall hintrugen, wohin er auch wollte.
Hier saß er nun. Fettleibig, schwerfällig, ja, unbeweglich und träge.
Es stieg aus seiner Trauer eine Wut empor, die er so noch nie zuvor empfunden hatte.
Er wollte diesen Zustand nicht mehr hinnehmen.
Er konnte diesen enormen Bauch, der ihm so böse zur Last fiel, nicht mehr ertragen.
Was tun? Er wusste, aus Eigenkraft wäre er nicht fähig etwas an seiner Lage zu ändern.
Also musste er Kontakt zur Außenwelt herstellen.
Doch wie?
Natürlich über das Telephon, von dem er immer wieder den Pizzaservice angerufen hatte.
Es fiel ihm keine andere Nummer ein, und das Telefonbuch befand sich irgendwo im Korridor seiner kleinen Wohnung. Aber, er war nicht imstande seinen gewaltigen Laib dorthin zu bewegen.
Also rief er den Service an. Hier kannte man seine Stimme bereits, und war schon daran, die übliche Bestellung aufzunehmen, als Hubert ungewöhnlicher Weise nach der Nummer von der Auskunft fragte.
Man war kurz irritiert, kam aber der Bitte Huberts sogleich nach.
Hiernach war es nicht allzu schwer, die Nummer eines in der Nähe wohnenden Arztes ausfindig zu machen.
Gleich am folgenden Nachmittag kam ein Arzt zu Besuch.
Als er Hubert sah, war schnell klar, dass hier rasche, lebensnotwenige Hilfe angesagt war.
Hubert wurde am selben Tag ins Krankenhaus gebracht.
Man setzte ihn sofort auf eine strenge Diät, und unterzog ihn einem straffen Trainingsprogramm.
Nun vergingen für Hubert einige sehr peinvolle und harte Monate.
Aber, dieser Traum von der australischen Wüste, mehrere Kassetten mit klassischer Musik, die ihn an sein Pizzabelag-Orchester erinnerten, und sein Stursinn waren der Grund, warum Hubert diese Qualen relativ gut verkraften konnte. Es ging mit seiner Gesundheit langsam bergauf.
Schließlich, fast ein Jahr nach seiner Einlieferung, waren die Ärzte sich einig.
Hubert durfte wieder in sein Leben zurück. Er wurde entlassen!
Zwar war Hubert immer noch dick, aber weit von seiner lebensbedrohlichen Fettleibigkeit entfernt.
Wenn man bedenkt, dass er bereits über dreihundert Kilo gewogen hatte, so waren die lächerlichen hundert und zwei Kilo jetzt eine lächerliche Wenigkeit.
Das Sozialamt hatte sich seiner angenommen, bis er sich einen Job gefunden hatte.
Es war wohl kein Zufall, aber schon ein wenig seltsam, als er gerade bei jenem Pizzaservice eine Arbeitsstelle als Küchenhilfe fand, bei dem er während seiner Fresssucht immer bestellt hatte.
Er war sich zuerst nicht sicher, ob dies die richtige Arbeit für ihn wäre, doch nach Rücksprache mit seinem Arzt, der meinte, dass dies eventuell eine perfekte Therapie sei, trat er dort seinen täglichen Dienst an.
Zu Anfangs war es schon eine gewisse Tortur, ständig all die leckeren Pizzas riechen und sehen zu müssen, aber sehr bald war Hubert über diese Verführung erhaben.
Er hatte nämlich ein Ziel, und nichts sollte ihn davon abbringen!
Er wünschte sich, nach sorgfältigem Sparen, eine Reise nach Australien.
Er würde sich dort eine Harley Davidson mieten, und, mit der Musik von Beethoven im Ohr, eine Tour durch die rote Wüste Australiens machen.
Er arbeitete hart, machte so viele Überstunden wie möglich, sparte jeden Groschen, den er konnte, und blieb dabei seiner Gesundheit treu.
Das Einzige, was er sich gönnte, war der Besuch, eines stadtbekannten Clubs, der jeden Samstag Nacht bis Sonntag Früh auf hatte. Hier tanzte er die ganze Nacht hindurch, und hatte sogar die Möglichkeit, Frauen kennen zu lernen. Dies war ihm als dicker Mensch nie leicht gefallen, denn welche Frau interessierte sich schon für einen dicken Mann? So dachte er zumindest, doch musste sich bald eines Besseren belehren lassen.
Denn, dieser bestimmte Club war für seine Toleranz und seine Andersartigkeit bekannt.
Man traf hier Alles, was man sonst so auf offener Strasse und in anderen, herkömmlichen Discos und Clubs nicht traf: Freaks jeder Art, nackte, schöne, hässliche, dicke und dünne Menschen.
An diesem Ort lebte der Hedonismus voll auf. Es war einfach Alles erlaubt, was Spaß macht.
Und so fühlte sich Hubert hier sicher.
Bei seinem vierten Besuch in diesem Club sprach ihn dann überraschender Weise eine Frau an.
Ihr Name war Elvira. Sie war eine Friseuse, und kannte diesen Ort schon einige Jahre.
Er war nicht wenig erstaunt, als sie ihm mitteilte, sein Bauch gefiele ihr außerordentlich.
Sie war sogar hin und hergerissen, wie erotisch sie ihn fand.
Zuerst wollte Hubert ihr nicht glauben, doch als sie nach ein paar Drinks ihre Hand auf seinen Bauch legte, ihm lieb in die Augen sah und fragte, ob er sie nicht küssen wollte, war er überzeugt.
Hubert platzte innerlich vor Freude. Es war die Liebe!
Nach einigen weiteren Treffen, außerhalb des Clubs, waren Elvira und Hubert ein unzertrennbares Paar geworden.
Er erzählte ihr von seiner Vergangenheit, von seiner Fettleibigkeit und von seinem Traum.
Als sie dann von seinem Wunsch erfuhr, nach Australien zu fliegen, war sie begeistert.
Sie wollte dies gemeinsam mit ihm erleben. Hubert war außer sich vor Glück.
Und so geschah es.
Eines Tages hatten die Beiden genug Geld zusammen, um Hubert diesen Traum zu erfüllen.
Er nahm sich Urlaub, sie kauften sich die Flugtickets, und eine Woche später befanden sie sich in Sydney.
Dort fuhren sie zu dem nächstbesten Motorradhändler, mieteten sich eine Harley Davidson, setzten Kopfhörer auf, legten Beethovens Neunte in den CD-Spieler, drehten die Musik auf höchste Lautstärke, und schon ging es ab durch die Wüste.
Hinter sich spritzte der rote Sand in die Luft, und vor sich sahen sie den unendlich roten Horizont, der von der ebenso blutroten Sonne geküsst wurde.
Huberts Bauch füllte sich mit tiefer, unendlicher Liebe an! Mit der Liebe zu sich selbst, zu dieser wunderbaren Frau, die sich dicht an ihn schmiegte, und zu diesem an Schönheit und Wildheit reichen Leben, welches er führen durfte!
Und, er musste lachen. Er lachte über sich selbst. Als er zur Musik Beethovens mitsummte, hörte er seine eigene Stimme. Sie war die eines Bass-Baritons!
Hubert schloss die Augen.
Alles wurde Leben!

Es klingelte kurz an der Haustür.
Dann rasselte es wie gewohnt im Schloss.
Die Tür ging auf.
Der Pizzabote trottete wie gewohnt durch den Korridor, um ins Wohnzimmer zu gelangen.
Er war kurz davor sein: „Hier, die bestellten Pizzas!“ zu rufen, als ihm dieselbigen zu Boden fielen, und er mehr als schockiert Folgendes sah...
Der dicke Hubert saß vor dem offenen Kühlschrank.
Seine Rechte hatte er verkrampft in sein T-Shirt festgekrallt, genau dort, wo sich sein Herz befand.
In seiner Rechten hielt er ein abgebissenes Stück Salamipizza.
In seinem weit aufgerissenen Mund steckte noch ein Stück unzerkautes Pizza.
An den Mundwinkel tropfte Speichel, vermengt mit Pizzastückchen.
Und seine Augen! Mein Gott, seine Augen!
Sie waren weit aufgerissen.
Warum, wusste der junge Mann nicht, aber irgendetwas zog ihn näher.
Er blickte in Huberts tote Augen.
Was er hier sah – es war nur für einen kurzen Augenblick – war ein Sonnenuntergang in irgendeiner ihm unbekannten Wüste. Dort schwebte eine große Pizza in der Luft, auf dem ein Aborigini stand und dirigierte.
Das wirklich Seltsame an der ganzen Sache war, dass sich der Bote kurz eingebildet hatte, er habe ein ganzes Orchester spielen sehen, welches aus Käsestückchen, Salamistreifen und Paprikaschoten bestand.
Doch da war dieser Augenblick schon vorbei, und Huberts Augen verblassten für immer.
Der Pizzabote griff zum Telephon und verständigte die Rettung und Polizei.
Es dauerte nur zehn Minuten, da ertönte schon in der Nähe die Sirene.
Hubert wurde abgeholt.
Er wurde in einem sehr großen, extra für ihn angefertigten Sarg gelegt, und bei der nächsten Gelegenheit in einer naheliegenden Kirche verbrannt.
Außer dem Priester und dem Kirchenmesner gab es niemanden, der hier Zeuge war.
In der darauf folgenden Nacht, es war Samstag Nacht, suchte Elvira in ihrem Stammclub nach einem dicken Mann, den sie nicht finden würde.
Als sie sich nach ihrem Clubbesuch ins Bett legte, träumte sie von der australischen Wüste.
Vielleicht würde sie eines Tages dorthin reisen.
Wer weiß?
Wer weiß?


Abschied

Sie schlief noch.
Er lag schon seit einer Stunde wach.
Es war zwölf Uhr Mittags.
Sie hatten bis spät in die Nacht hinein disskutiert.
Heute war der Tag, an dem sie gehen wollte.
Zu ihm.
Zu dem Anderen.
Das war der Grund warum er nicht schlafen konnte.
Sie regte sich.
Er flüsterte ihr zährtlich ins Ohr: "Guten Morgen, mein Schatz,"
Sie murrte kurz.
"Soll ich Frühstück holen?", fragte er vorsichtig.
"Wenn Du willst."

Stille.

"Musst Du aber nicht.", setzte sie hinterher.
Er stand auf, zog sich Hose, Strümpfe und einen Pullover an und ging aus dem Haus.
Die Strasse nahm ihn mit all ihrer Kälte und Einsamkeit auf.
In der Bäckerei kaufte er für sie ein Schokecroissant und eine Teigtasche.
Sie mochte in der Früh nur Süßes.
Für sich besorgte er zwei Kornbrötchen, Wurst und Käse.
Danach machte er sich auf den Heimweg.
Zu Hause angekommen, tänzelte bereits ihr gemeinsmer Wohngenosse, ein kleiner, dicker Kater um seine Füße. Dieser hatte Hunger.
Er stellte dem geliebten Tier eine Schale frisches Fleisch und Wasser auf den Boden, woraufhin dieser hastig zu fressen begann.
Er stellte Kaffee auf, deckte den Küchentisch und ging zurück ins Schlafzimmer.
Sie war wieder eingeschlafen.
Er kuschelte sich neben sie und küßte sie so zährtlich wie er nur konnte auf die Wange.
Sie drehte ihren Kopf von ihm weg und grunzte mürrisch.
"Kommst Du frühstücken, mein Herz?"
"Du weißt, dass ich daß ich das nicht mag! Ich habe immer das Gefühl, dass ich ersticke, wenn Du meinem Gesicht zu nahe kommst."
Er dachte bei sich, dass sie früher nie so kalt gewesen war.
"Ich gehe schon mal vor.", meinte er traurig.
"Ich komme gleich.", entgegnete sie ihm mit einem Ton in der Stimme, der eventuell ihr schlechtes Gewissen ob ihrer Schroffheit zum Ausdruck brachte.
Er saß ungefähr eine halbe Stunde in der Küche, trank schon die zweite Tasse Kaffe und höhrte endlich, wie sie ins Badezimmer schlappte.
Dort entleerte sie ihre über die Nacht angefüllte Blase.
Während dessen stellte er schnell einen neuen Kaffee auf, damit sie, sobald sie sich zu ihm an den Frühstückstissch setzen würde, einen frischen vor sich stehen hätte.
So geschah es, dass die beiden ein paar Minuten später gemeinsam frühstückten.
Während die beiden so dasaßen, Kaffee tranken und Zigarretten rauchten, fing er an zu träumen...

Er stand auf, nahm ihr Kaffetasse und die Zigarrette aus der Hand, führte sie ins Badezimmer, drehte den Wasserhahn in der Badewanne auf und begann sie auszuziehen.
Er stellte sie in die Wanne und fing an sie zu waschen.
Sie sah ihn dabei völlig überrascht und fragend an, ließ ihn aber machen.
Er seifte sie an jeder Stelle ihres wunderschönen Körpers ein und spühlte sie hiernach mit warmen Wasser wieder ab.
Dann holte er ein großes Frotteehandtuch von der Wand und trocknete sie mit größter Sorgfalt und inniglichster Zährtlichkeit wieder ab.
Jetzt führte er sie zu ihrem Kleiderregal.
Hier suchte er ihr die schönsten Kleider heraus und begann sie behutsam anzuziehen.
Nachdem sie fertig angezogen war, und sie sah in ihren Kleidern wirklich sexy und verführeisch, dennoch sehr geschmackvoll und gar nicht aufdringlich aus.
Noch immer blickte sie ihn völlig verdutzt und fragend an.
Er führte sie bei der Hand zurück ins Badezimmer.
Hier stellte er sie vor den Spiegel.
Er suchte sich ihr Schminkzeug und begann sie zu schminken.
Das Ergebnis seiner Bemühung war verblüffend.
Schöner hatte sie sich selber noch nie zuvor geschminkt.
Jetzt fehlten nur noch die Haare.
Mit flinker, gekonnter Fingerfertigkeit lockerte er ihr Haar, nahm eine Bürste und bürstete sanft ihr wunderschönes, rotes Haar zu einer aufreizenden Mähne zurecht.
Ihren erstaunten und fragenden Blick ignorierte er bis zuletzt.
Er nahm sie bei der Hand und stellte sie vor die Haustüre ab.
"Warte kurz.", sagte er trocken und verschwand für einen Moment ins Wohnzimmer.
Er kam nach einer viertel Stunde mit ihrem fertig gepackten Koffer wieder zurück.
"Ich habe Dir alles Nötige eingepackt. Auch die Kondome sind dabei. Die wirst Du brauchen, oder? Naja. Vielleicht auch nicht."
Ihr Gesichtsausdruck verwandelte sich jetzt von Verwunderung in Entsetzen.
Dann holte er tief Luft, atmete schwer wieder aus und sagte mit ekelerregend sanfter und sarkastischer Stimme:

"Ich wünsche Euch viel Spass. Lasst es krachen, ihr Beiden.
Und, sei versichert. Ich leide durchaus.
Wenn Ihr gerade so richtig bei der Sache seid, dann vergiß nicht: Ich bin immer bei Dir.
Egal, was Du gerade machst, ich stehe Dir stets zur Seite.
Das habe ich immer getan, das tue ich auch jetzt, und das werde ich immer tun.
Hab Spass.
Und nun, mein Herz, mein Ein und Alles...
Geh... Geh.
Geh einfach."

Sie war wie versteinert.
Ihr Mund stand offen, ihre Augen waren weit aufgerissen und viele, kleine Fragezeichen, vermischt mit Hass, Wut und Verzweiflung
sprudelten aus ihrem Gesichtsausdruck hervor.

Na los!
Was ist?
Was zögerst Du?
Es ist alles gut.
Ich will nur Dein Bestes.
Du sollst Dein Leben genießen.
Und, das wirst Du.
So, und jetzt geh.
Er wartet bereits voller Ungeduld auf seine neue Flamme."

Daraufhin öffnete er ihr die Wohnungstüre, gab ihr den Koffer in die Hand, küßte sie zährtlich auf die Stirn und schob sie in den Flur hinaus.
Seine Sinne verließen ihn hiernach völlig.
Er hörte nicht mehr, ob sie ihm, am Flur stehend noch etwas gesagt hatte oder auch nicht.
Er hörte gar nichts.
Sein Körper war wie erfroren.
Aber dies war fast schon zuviel der Empfindung.
Nein, er hörte, spührte und fühlte nichts.
Absolut nichts.
Er schritt wie ferngesteuert in das Wohnzimmer.
Hier begann er die Wand hochzugehen, und als er die Zimmerdecke erreichte, beschritt er auch diese.
Mit dem Kopf nach Unten schritt er bis zur Zimmerlampe.
Er schraubte die Glühbirne heraus und griff in den offenen Strom.
Dieser zerfetzte ihn in tausend kleine Stücke.

"Kann ich noch einen Kaffe haben?", riß ihn ihre Stimme aus seinen Traum.
Er reagierte nicht und grub sein Gesicht schmerzverzerrt in seine Hände.
"Was ist los mit Dir?", fragte sie ihn so, als ob sie tatsächlich nicht wüßte, was er haben könnte.
"Was mit mir los ist? Sag mal, geht's noch? Du verläßt mich. Das ist los.
Du gehst zu ihm und vögelst Dir Dein Hirn bei dem Arsch raus, und fragst mich, was mit mir los ist?"
"Siehst Du. Und das ist es, was ich nicht mehr ertrage.", kam von ihr zur Antwort.
"Ich glaub's nicht. Ich glaube es nicht. Wie kannst Du nur so kaltschnäuzig sein? Hast Du denn überhaupt keine Gefühle?
Nach alldem, was wir bereits gemeinsam durchgemacht haben, nachdem, dass Du mir sagst, dass Du mich immer noch liebst, über alles - so Deine Worte - ,
nachdem Du mir sagst, ich sei Dein zu Hause, Deine Familie, Dein Ein und Alles, besitzt Du die Frechheit mich zu fragen, was mit mir los ist?
Du sagst mir einfach so, Du willst zu ihm, um rauszufinden, ob es tatsächlich Liebe zwischen Euch sein könnte?
Und das, obwohl Du mich noch liebst?
Das ist keine Liebe, mein Liebe! Das ist Gier, Sucht, Sex, oberflächlicher Scheißdreck.
Das ist so unfaßber egoistisch und verletzend, sodass es mich dabei völlig zerfetzt.
Das ist echt zum Kotzen!"

Sie saß für einen kurzen Augenblick stumm da.
Dann zog sie scheinbar unbeteiligt an ihrer Zigarrette.
"Du bist unerträglich. Ich halte das nicht mehr aus. Das ist total unfair von Dir. Ich lüge Dich nicht an. Ich bin ehrlich zu Dir, und dann sowas."
"Sowas?!", schrie er jetzt. "SOWAS? Was meinst Du mit SOWAS?!?"
Sie blieb völlig ruhig: "Schrei mich nicht an!"
Er kam ins Brüllen: "Ich schreie nicht!"
"Doch das tust Du.", antwortete sie scheinbar gelassen.
Darauf hin schraubte er seinen Ton auf ein gehässiges Flüstern herunter:
"Geh. Los, geh. Geh zu ihm, fick ihn, lutsch ihm den Schwanz, wackle mit Deinem Arsch und Deinen Titten, mach ihn richtig heiß.
Mach ihn abhängig von Dir. Jetzt hast Du doch was Du willst, oder? So war es doch schon immer.
Wenn Du was nicht bekommen hast, dann hast Du Dich und alle Deine Mittel solange gekonnt eingesetzt, bis Du es hattest.
Und, wenn Du es dann eine Zeit lang hattest, dann konntest Du nicht mehr damit umgehen.
Sobald etwas zu schwierig wird und Du nicht mehr weißt, wie damit umgehen, dann drehst Du Dich einfach um und gehst.
Nun, bitte, dann geh! Geh einfach. renn weg. Lauf in seine geilen Arme. In seinen geilen Schwanz!"

Wieder zog sie an ihrer Zigarrette.
"Du bist eklig und primitiv, weißt Du das?" Sie stand auf, dämpfte die Zigarrette aus und verließ das Zimmer.
Das war die beste Waffe, die sie hatte. Damit erweichte sie immer seinen Verstand. Ihn einfach links liegenlassen.
Er nahm seinen gesamten Vertand zusammen und lief ihr in der Wohnung hinterher.
Die nächsten zwanzig Minuten vergingen, indem sie sich wusch, anzog und den letzten Rest ihrer Kleider in den Koffer packte.
Währenddessen stand er stumm zusehend in einer der Türen der Wohnung und merkte, wie ihm die Tränen die Wangen runterliefen.
Dies wiederum ertrug sie nicht und blieb mit liebendem Gesichtsausdruck vor ihm stehen.
"Bitte, machs mir nicht so schwer.", flüsterte sie mit zarter Stimme.
"Aber, ich liebe Dich doch sosehr und ich verstehe das Ganze nicht. Ja, ich weiß, ich habe auch Fehler gemacht, aber, wenn Du jetzt gehst, ...
Du weißt, damit setzt Du unsere Beziehung total auf's Spiel. Ich liebe Dich. Du liebst mich auch noch. Muss das denn wirklich sein?"
"Was soll ich Dir sagen? Ja. es muss sein.", kam zur Antwort.
Dabei streichelte sie ihm zährtlich über sein Gesicht.
Er ergriff ihre Hand, küßte ihre Innenfläche und nuschelte: "Bitte geh nicht. Ich bitte Dich! Noch können wir es gradebiegen."
"Bitte mach es mir nicht schwer, ich bitte Dich!"
"Nein, ich bitte Dich. BITTE."
Sie küßte ihn auf die Stirn. Diesr Kuß brannte. Sein gesamter Körper fing an zu brennen.
Sie drehte sich um, ging in die Küche, nahm ihr Mobiltelephon zur Hand und wählte.
"Guten Tag! Ein Taxi bitte..." Sie erklärte Strassennamen,- und Nummer und Bezirk, steckte das Telephon in ihre kleine Reisetasche und drehte sich zu ihm um.
"Hilfst Du mir mit dem Koffer?"
"Ja.", antwortete er trocken.
Die beiden gingen die drei Stockwerke hinab und standen bald auf der Strasse.
Das Taxi kam ein paar Minuten später.
Der Taxifahrer packte den großen Koffer ins Auto und setzte sich hinter das Lenkrad.
Die Hintertüre stand offen.
Das Paar stand engumschlungen daneben.
"Ich liebe Dich. Vergiß das nie.", flüsterte er traurig und verzweifelt.
"Ich Dich doch auch;", waren ihre letzten Worte.
Dann setzte sie sich in das Aute, schloß die Türe hinter sich und gab dem Taxifahrer die Instruktion, zum Bahnhof zu fahren.
Sie warf einen letzten, traurigen Blick zu ihm auf die Strasse.
Er wollte weinen, aber es kamen keine Tränen.
Sie winkte ihm.
Er winkte ihr.
Das Taxi fuhr los und bog um die Ecke.
Er schleppte sich die drei Stockwerke hinauf in die Wohnung.
Als er so in der Wohnung stand, ein kaltes, leeres und totes Gefühl im Magen, tänzelte der kleine, dicke Kater um seine Füße.
Dies war der einzige Kontakt zur Außenwelt, den er jetzt spührte: Ein weiches, warmes Fell.


Der verschaemte Wind

„Der verschämte Wind“

Eines der Kinder auf dem Baum, eines der Blätter bewegte sich seltsam.
Es machte dabei ein eigenartiges Geräusch.
Die anderen Kinder hörten dies, waren angetan und machten es dem ersten nach.
Ein neues Geräusch entstand.
Noch nie hatten irgendwelche Ohren so etwas gehört.
Noch nie war der Wind so überrascht gewesen.
Er drehte sich und wehte in eine andere Richtung.
Dann beschloß er, nie mehr in diesen Baum hinein zu blasen.
Der Baum und seine Kinder standen „windlos“ da.
Dies ging einige Zeit gut, aber nach und nach fielen seine Kinder tot zu Boden.
Sie waren seit Urzeiten an Bewegung gewöhnt gewesen.
Der Baum fiel in tiefe Trauer.
Es war noch nicht Winter, also auch nicht die Zeit, um seine Kinder zu verlieren.
Alles drehte sich um.
Natur war nicht mehr Natur.
Er spürte seine Astenden nicht mehr.
Er begann zu dorren.
Nach einiger Zeit starb auch er.
Die Menschen schnitten ihn ab und verarbeiteten ihn zu Brennholz.
Einige Wenige, die mit diesem Holz ihre Stuben wärmten, verspürten eine seltsame Traurigkeit aus der Wärme entsteigen.
Der Rauch, der aus den Schornsteinen wehte, stieg dem Wind traurig in die Nase.
Er wurde ebenso von der Trauer ergriffen.
Er schämte sich, denn er erinnerte sich an seine Ignoranz, die der Grund für diese Trauer war.
Er nahm sich vor, im kommenden Frühling so in die neuen Blätter der Bäume hinein zu blasen, dass dieses damals so seltsame Geräusch wieder ertönen würde.
Jedoch, sosehr er sich auch bemühte, er würde nie mehr dieses Geräusch hören.
Der Frühling kam, die Bäume trugen frische Blätter und der Wind wehte verschämt um die Äste.
Es war ein lauer Frühling.
Ein windstiller Frühling. 

Sehnsucht ist ein nagend Tier
Weinend steht sie grau und krumm
In des Herzens Stub´ herum
Genährt von Einsamkeit und Gier



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